Nur Vampire küssen blutig

Nur Vampire küssen blutig

Nur Vampire küssen blutig (OT: Lust for a Vampire); Regie: Jimmy Sangster; Großbritannien, 1971.


Darsteller:
Ralph Bates (Giles Barton), Barbara Jefford (Gräfin Herritzen), Suzanna Leigh (Janet Playfair), Michael Johnson (Richard Lestrange), Yutte Stensgaard (Mircalla / Carmilla Karnstein), Helen Christie (Miss Simpson), Pippa Steel (Susan Pelley), David Healy (Raymond Pelley), Harvey Hall (Inspector Heinrich), Mike Raven (Graf Karnstein), Michael Brennan (Gastwirt), Jack Melford (Bischof), Christopher Cunningham (Kutscher), Judy Matheson (Amanda), Christopher Neame (Hans) …

Inhalt:
Österreich, 1830. Richard Lestrange (Michael Johnson) ist als Autor von phantastischen Erzählungen auf der Suche nach Anregungen und besucht trotz der Warnungen der Dörfler die Burg Karnstein. Doch hier trifft er keine Vampire, sondern hübsche Mädchen an, Schülerinnen einer nahen Internatsschule. Er verliebt sich in Mircalla, eine neu ankommende Schülerin, und tritt wegen ihr eine Stelle als Lehrer in dem Internat an. Doch Mircalla hat auffallend Ähnlichkeit mit der 100 Jahre davor gestorbenen Carmilla Karnstein … und im Internat häufen sich merkwürdige Todesfälle …

Kritik:
In der sogenannten Karnstein-Trilogie, die lose auf die Erzählung „Carmilla“ von Joseph Sheridan Le Fanu rekurriert, ist „Nur Vampire küssen blutig“ nach „Gruft der Vampire“ („The Vampire Lovers“) der zweite eigenständige Beitrag. Die Karnstein-Saga bot den Hammer Studios die Gelegenheit, dem Vampirmythos frisches (weibliches) Blut einzuflößen und vor allem die erotische Komponente entschieden auszubauen. Das Stichwort „Mädcheninternat“ ist der Kamera Anlass genug, voyeuristische Blicke in die Schlafsäle zu werfen, und der Zuschauer kann sich an manch üppigem Busen erfreuen. Doch auch bekleidet wissen die Darstellerinnen durch beeindruckende D-Cup-Dekolletés zu erfreuen, die hier exploitationmäßig ganz ungeniert gerne in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden. Zudem gibt es einige lesbische Kussszenen zu vermelden.

Mit der bezaubernden Yutte Stensgaard, die die bisexuelle Mircalla bzw. Carmilla (Achtung, Anagramm!) spielt, hat der Film eine der attraktivsten Vampirinnen aller Zeiten, und es gibt einige wunderschöne Aufnahmen von ihr, etwa wie sie, mehr gleitend als gehend, im weißen Gewand durch den Bodennebel im Wald verschwindet. Sie hat wirklich Charisma, und es ist schade, dass sie nach dem Film praktisch in der Versenkung verschwunden ist. Jimmy Sangster, so spekulativ er auch oft arbeitet, kann man dennoch ein gewisses Gespür für stimmungsvolle Bilder nicht absprechen. Die Story ist zwar einfach gestrickt, hat aber einen gewissen Reiz: Eine wieder ins Leben zurückgerufene Vampirin sorgt im Internat für Opfer, ihre Familie versucht die Folgen zu vertuschen. So steht die reichlich etepetete wirkende Anstaltsleiterin bald unter dem Einfluss der Gräfin Herritzen (Barbara Jefford), die in Wirklichkeit natürlich die Gräfin Karnstein ist, während ihr Gatte (Mike Raven) als falscher Arzt für die „richtigen“ Totenscheine sorgt.

Leider hat Mike Raven, der hier ja eigentlich den Hauptvampir verkörpert, insgesamt wenig mehr zu tun als hin und wieder bedrohlich im Hintergrund herumzustehen, und als Close-up seiner blutunterlaufenen Augen muss in einer Szene sogar Stock Footage aus „Draculas Rückkehr“ herhalten – es sind Christopher Lees Augen, die wir hier sehen! By the way, auch die Burgkulissen kommen einem sehr bekannt vor, wenn man vorher „Dracula – Nächte des Entsetzens“ gesehen hat …

Was der Handlung ein wenig fehlt, ist ein richtiger Held, der Lehrer Giles Barton (Ralph Bates) wird schon früh vom Bösen dahingerafft und der eigentliche Protagonist, Richard Lestrange (Michael Johnson), zieht aufgrund seiner Verliebtheit mit den Vampiren an einem Strang und ist mehr am Vertuschen als am Aufklären interessiert. So bleibt es mal wieder am fackelbewehrten Mob hängen, die Sache ins Reine zu bringen. Alles in allem ist „Nur Vampire küssen blutig“ ein kruder, aber durchaus sehenswerter Mix geworden, der den altmodischen, romantischen Hammer-Horror zusammenbringt mit schwülstiger Schlafsaal-Erotik: In einer Liebesszene ertönt gar ein Popsong namens „Strange Love“ (von einer gewissen Tracy dahingehaucht) aus dem Nichts.


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Reviewdatum: 9. Oktober 2006

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