Dance of the Dead

Masters of Horror: Dance of the Dead

Masters of Horror: Dance of the Dead; Regie: Tobe Hooper; USA, 2005.

Darsteller:
Jonathan Tucker (Jak), Jessica Lowndes (Peggy), Ryan McDonald (Boxx), Marilyn Norry (Kate), Lucie Guest (Celia), Robert Englund (The M.C.), Emily Graham (Peggy als Kind), Genevieve Buechner (Anna als Kind), Margot Berner (Marie), Sharon Heath (Gerri), Don MacKay (Steven), Karen Austin (Quinn), Erica Carroll (Mia) …

Inhalt:
In einer apokalyptischen, von Krieg und Zerstörung gezeichneten Welt der Zukunft lebt Peggy mit ihrer Mutter zusammen, die ein kleines Restaurant führt. Dort tauchen eines Tages die Großstadtpunks Jak und Boxx auf. Peggy lässt sich mit Jak ein und erlebt eine drogengeschwängerte Nacht, deren Höhepunkt der Besuch des Hard-Metal-Clubs „Doom Room“ ist. Besondere Attraktion des Clubs: der „Dance of the Dead“, eine bizarre Veranstaltung, bei der Tote mit Injektionen und Elektroschocks zu konvulsischen Tänzen getrieben werden. Für Peggy wird der Clubbesuch zur schrecklichen Auflösung eines dunklen Geheimnisses …

Kritik:
Tobe Hooper gilt, ungeachtet seines frühen Kulterfolgs „The Texas Chainsaw Massacre“ von 1974, eher als durchschnittlicher Regisseur, der einige recht annehmbare Filme ebenso wie ziemliche Gurken in seinem Œuvre vorzuweisen hat. Seine Episode „Dance of the Dead“ basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Richard Matheson, der bekannt ist für seine apokalyptischen Endzeitszenarien und dessen düsterer Roman „I am Legend“ von 1954 nicht nur George A. Romero zu „The Night of the Living Dead“ inspirierte, sondern auch Vorlage für „The last Man on Earth“ (1964) mit Vincent Price und „The Omega-Man“ (1971) mit Charlton Heston war. Die Adaption für den Film übernahm kein Geringerer als Mathesons Sohn, Richard Christian Matheson.

Herausgekommen ist sicher nicht der beste, aber doch ein äußerst interessanter Beitrag zur Serie „Masters of Horror“, auch wenn man strenggenommen zunächst ein Verfehlen des Themas attestieren muss: „Dance of the Dead“ hat fiese, abstoßende Szenen, die aber wenig mit Horror im klassischen Sinne zu tun haben, und sowohl inhaltlich wie auch atmosphärisch ist der 60-Minuten-Film eher der Post-War-Science-Fiction zuzurechnen. Eine der intensivsten Szenen ist der Flashback direkt am Anfang zu einem Kindergeburtstag mit bunten Luftballons im Garten, bei dem jäh der Schrecken hereinbricht in Gestalt von „Bliss“, einem chemischen Kampfgas, das die Gesichtshaut zersetzt. Nun wird in ein gemütliches kleines amerikanisches Restaurant geblendet, der Flashback entpuppt sich als Erinnerungstraum der Besitzerin, die mit ihrer Tochter Peggy hier ein idyllisches Inseldasein führt, während draußen anarchistische Zustände herrschen und die Städte weitgehend zerstört sind.

Einige weitere Schnitte: Wir sehen zwei Jugendliche auf ihren Motorrädern, die ein altes Ehepaar angreifen und ihnen – einmal eine ganz neue Variante des Vampirismus – mittels Kanüle Blut abnehmen. Wir sehen einen dröhnenden, chaotischen Death-Metal-Schuppen, der – eigentlich sehr untypisch für Etablissements dieser Art – über einen Conférencier verfügt (herrlich schräg und böse: Robert „Freddy Krueger“ Englund). Und wir sehen, eine unverkennbare Hommage an David Cronenbergs „Rabid“, zwei Männer in Overalls, die komatöse, aber offenbar noch lebende nackte Menschen in einen Müllcontainer werfen und anzünden. Dann fügen sich – stets begleitet von einem äußerst abgründigen, aber sich nie zu dominant in den Vordergrund drängenden Metal-Score – die Puzzleteile langsam zusammen: Jak und Boxx, die beiden Motorradpunks, liefern dem Conférencier und Clubbesitzer „The M.C.“ Blut, der daraus ein Serum herstellt, mittels dessen er bereits Verstorbene in einen „In limbo“-Zustand versetzt, worauf diese, zusätzlich stimuliert mit Elektroschocks, einen bizarren Tanz aufführen.

Zwischenzeitlich haben sich dann auch die Wege von Jak und Peggy, der Tochter der Restaurantbesitzerin, gekreuzt. Die beiden verlieben sich ineinander, und Peggy entflieht noch in der gleichen Nacht der wohlbehüteten Idylle des mütterlichen Nestes, eine Idylle, die, wie sich bald herausstellen wird, auf Lügen und moralischer Verkommenheit erbaut wurde. Und wie so oft sind die anscheinend Bösen nur scheinbar böse, speziell Jak entpuppt sich als (Anti-)Held mit durchaus sympathischen Zügen. Keine große Überraschung angesichts der spontanen Bereitwilligkeit, mit der sich Peggy auf eine nicht nur auf den ersten Blick eher abstoßende Welt einlässt. „In dir schlummert etwas Böses, und ich will nicht dabei sein, wenn es herauskommt und zischt“, sagt Boxx zur Mutter, und man muss kein großer Kenner des Genres sein, um das Bedeutungsschwangere dieser Aussage, die so untypisch für den ansonsten nur platte und zynische Sprüche absondernden Boxx ist, schon an dieser Stelle zu erkennen. Doch zunächst muss, ein großer Schwachpunkt des Films, eine nicht enden wollende rasante Fahrt im Cabrio erduldet werden, jugendlicher Überschwang mit einem Haufen Drogen, die moderne Variante von Alex mit seinen Droogs auf Tour. Schließlich, nach einer gefühlten halben Stunde, ist die kleine Schicksalsgemeinschaft im „Doom Room“ angekommen, und die Show beginnt, um schließlich in ein dramatisches, wenngleich böse zusammenkonstruiertes Finale zu münden.

Der Kritikpunkte an dieser Folge gäbe es viele. Tobe Hooper verschenkt mehrfach die Chancen, die der an sich komplexe und reichhaltige Stoff bietet, er nervt mit collagenhaften, tausendfach schon woanders so gesehenen Schnitten, bei denen Standbilder so schnell über das eigentliche Bild gelagert werden, dass gerade die Wahrnehmungsschwelle erreicht wird, und obgleich ihm teils eindrucksvolle Bilder gelingen, reicht es nicht für eine genuine, durchgehende Atmosphäre des morbiden Verfalls – allzu hochpoliert ist dafür das Ganze, allzu austauschbar sind die jugendlichen Darsteller. Versöhnt wird man mit einem großartig agierenden Robert Englund, einer doch reichlich perfiden Story und vielen durchaus beeindruckenden Momentaufnahmen. In jedem Fall ein sehr viel besserer „Masters of Horror“-Beitrag als es die meisten Kritiken vermuten lassen.


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Reviewdatum: 2. September 2007

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