Frankensteins Haus

Frankensteins Haus

Frankensteins Haus (OT: House of Frankenstein); Regie: Erle C. Kenton; USA, 1944.


Darsteller:
Boris Karloff (Doctor Niemann), Lon Chaney Jr. (Lawrence Talbot), John Carradine (Dracula), Anne Gwynne (Rita Hussman), Peter Coe (Karl Hussman), Lionel Atwill (Arnz), George Zucco (Lampini), Elena Verdugo (Ilonka), Sig Ruman (Hussman), William Edmunds (Fejos), Charles F. Miller (Tobermann), Philip Van Zandt (Muller), Julius Tannen (Hertz), Hans Herbert (Meier), Dick Dickinson (Born) …

Inhalt:
Professor Dr. Niemann (Boris Karloff) will zusammen mit seinem buckligen Faktotum Daniel (J. Carrol Naish) in die Fußstapfen Frankensteins treten, sitzt aber leider im Gefängnis fest. Doch als während eines Orkans die Kerkermauern bersten, sieht er seine Chance gekommen. Auf der Flucht ermordet er Professor Lampini und bemächtigt sich seiner Kuriositätenshow. Mit dabei: das echte Skelett Draculas! Dr. Niemann schafft es, Dracula ins Leben zurückzurufen, der die schöne Rita Hussmann (Anne Gwynne) entführt, aber die Rechnung nicht mit der Sonne gemacht hat. Als Nächstes trifft Dr. Niemann in einer Eisgrotte auf den Wolfsmenschen und auf Frankensteins Monster, beide tiefgefroren und gut konserviert. Natürlich dauert es nicht lange, bis auch diese beiden wieder ihr Unwesen treiben …

Kritik:
Das Filmplakat versprach dem Kinogänger anno 1944 gleich fünf Monster: Neben Dracula (John Carradine), Wolfsmensch (Lon Chaney Jr.) und Frankensteins Monster (Glenn Strange) wurden auch der „verrückte Wissenschaftler“ Dr. Niemann (Boris Karloff) und der „Bucklige“ Daniel (J. Carrol Naish) kurzerhand der Monstergalerie zugerechnet. Womit auch schon die Intention klar ist: Nichts weiter als eine kassenträchtige Nummernrevue sollte hier geschaffen werden, ein Monstergipfeltreffen, die Story spielte zwangsläufig eine untergeordnete Rolle.

Entsprechend macht die Handlung auch nicht viel Sinn: Mit Dr. Niemann wurde ein neuer Wissenschaftler eingeführt, von Boris Karloff durchaus routiniert und angemessen böse verkörpert, aber in seinen Ambitionen und Motivationen wirr und widersprüchlich gezeichnet. So will er das Gehirn des Monsters einmal aus Rachegründen einem früheren Widersacher einpflanzen, dann wieder, warum auch immer, dem Wolfsmenschen. Auch seine Wiederbelebung von Dracula erscheint wenig motiviert, fast im Vorübergehen zieht er dem Skelett so nebenbei den Holzpflock heraus. Die Dracula-Episode ist dann auch bald beendet und hat keinerlei Verbindung zum Hauptteil des Films, in dem einmal mehr das Geschick des Wolfsmenschen im Vordergrund steht. Doch auch hier ist den Autoren Curt Siodmark (Story) und Edward T. Lowe jr. (Drehbuch) nichts Neues eingefallen, und Lon Chaney Jr. darf lediglich sein sattsam bekanntes „Ich will sterben“-Gejammer durchziehen, was er zwar gut macht, womit er aber keine neuen Akzente setzen kann.

Am eindrucksvollsten ist noch die anrührende Dreiecks-Liebesgeschichte um das Zigeunermädchen Ilonka (Elena Verdugo) gelungen, das sich in Lawrence Talbot, den Wolfsmenschen, verliebt, und ihrerseits vom Buckligen David geliebt wird. J. Carrol Naish gibt als unglücklicher, missgestalteter Diener eine herausragende Performance und muss als heimlicher Hauptdarsteller gelten, da sich die Leistungen aller anderen Darstellenden allenfalls im Bereich zufriedenstellend bis gut bewegen. Frankensteins Monster schließlich darf erst ganz zum Schluss in Aktion treten und ist längst auf das bekannte staksige Herumgefuchtel reduziert, bei dem es recht egal ist, wen man gerade unter die Maske steckt.

In seiner kurzen Laufzeit weiß der Film immerhin angemessen zu unterhalten, und die routinierte Regie und Kameraarbeit führt einmal mehr zu einigen schönen Bildern, die wohlige Nostalgie-Gruselatmosphäre aufkommen lassen – besonders die Flucht aus dem Gefängnis, die bizarre Eisgrotte und die Moorwaldlandschaften wissen zu gefallen. Die Schwächen des Drehbuchs, das nebenbei auch die Vorgaben der Vorgängerfilme munter durcheinanderwirft, führen allerdings dazu, dass nichts markant haftenbleibt – es ist wohlkonsumierbares Horrorfastfood, was hier geboten wird, nicht mehr, aber auch nicht weniger.


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Reviewdatum: 16. Februar 2006

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