RoboCop 3

RoboCop 3

RoboCop 3 (OT: RoboCop 3); Regie: Fred Dekker; USA, 1993.

Darsteller:
Robert John Burke (RoboCop), Mario Machado (Casey Wong), Remy Ryan Hernandez (Nikko), Jodi Long (Nikkos Mutter), John Posey (Nikkos Vater), Rip Torn (CEO), Mako (Kanemitsu), John Castle (Paul McDaggett), S.D. Nemeth (Bixby Snyder), Edith Ivey (ältere Frau in Bademantel), Curtis Taylor (Rehab #1), CCH Pounder (Bertha), Judson Vaughn (Seitz), Ken Strong (Rehab Patrol), Stanley Anderson (Zack) …

Inhalt:
Das machtgierige OCP-Konsortium – aufgekauft von einer skrupellosen japanischen Firma – will ein Armenghetto räumen, um dort die Zukunftsstadt Delta City zu errichten. Robocop geht in den Untergrund, um auf seiten der rebellischen Bürger für Recht und Ordnung zu kämpfen. Die Hilfe haben die Großstadtguerilleros auch nötig, denn OCP schlägt mit einem vermeintlich unschlagbaren Wunderroboter zurück – und der tritt gleich in mehrfacher Ausführung gegen Robocop an.

Kritik:
Der dritte Teil vom RoboCop geriet unter der Regie von Fred Dekker, dessen bemerkenswerteste Leistung bis dahin das kultige Horror-B-Movie „Night of the Creeps“ von 1986 war, zu einem recht traurigen Schwanengesang. Die verantwortliche Orion Pictures Corporation stand kurz vor der Pleite, und „RoboCop 3“ sollte es mit aller Macht nochmals rausreißen, sodass man sich entschied, den Film mit einem PG-13-Rating einer möglichst großen Zielgruppe zugänglich zu machen. Entsprechend gehen bei den Schießereien und Explosionen vor allem Autos zu Bruch, der Film ist zwar actionreich, aber blutarm. Da aber die extreme Gewalt schon zum Markenzeichen der RoboCop-Reihe geworden war, zeigten sich die Fans und Kritiker zu Recht enttäuscht. Die handzahme Regie ließ auch die hier wieder eingebauten satirischen Elemente zum großen Teil wirkungslos verpuffen.

Das anfängliche Einblenden einer RoboCop-Spielfigur in einem Kinderzimmer weist die Richtung: RoboCop ist kinderkompatibel geworden und wird hier mehr denn je als grelle Comicfigur überzeichnet, mit anschraubbarem Maschinengewehr und Flammenwerfer und zuletzt sogar mit Jetpack ausgerüstet – offenbar hatten die Filmemacher schon die entsprechenden Merchandising-Figuren mit Zubehör im Kopf. Doch die Szene, in der RoboCop mit dem Flammenwerfer das Hauptquartier der OCP-Spezialtruppe aufmischt, gerät aufgrund des PG-13-Ratings zur Farce, wenn peinlich genau darauf geachtet wird, dass auch ja kein Gegner Opfer des Feuers wird, und die Jetpack-Flugszenen sind ärmlich getrickst und äußerst cheesy.

Die Story ist in den Grundzügen gar nicht mal so schlecht, verheddert sich aber immer mehr mit den vielen mal rivalisierenden, mal kooperierenden Fronten: Es gibt gute Widerstandskämpfer, die gegen die Polizei kämpfen, böse Splatterpunks (!), die sich mit den Elite-Einheiten der OCP verbünden, nachdem die Polizei die Seiten gewechselt hat und mit den Widerstandskämpfern gemeinsame Sache macht, und mittendrin RoboCop, der über lange Strecken des Films mal wieder beschädigt ist, seinen Erinnerungen nachhängt und Freundschaft mit einem kleinen Mädchen schließt, statt für Action zu sorgen. Wird er dann doch mal aktiv, übertreibt er des Effekts wegen lachhaft, perforiert etwa eine einfache Holztür völlig unnötig mit unzähligen Schüssen, statt sie einfach einzutreten.

Hemmungslos plündert der Film seine Vorgänger, die Reparatur von RoboCop greift mit ihrer Ego-Perspektive die Erweckungsszene wieder auf, der Oberböse darf wieder herrisch „Setzen Sie sich!“ sagen, und auch die Vergewaltigungsszene mit RoboCops Riesenschatten an der Wand findet hier eine (harmlose) Entsprechung. Andererseits werden zentrale Vorgaben aus „RoboCop 2“ ignoriert, die dort gelöschten Direktiven sind etwa urplötzlich wieder da und bringen RoboCop in Gewissensnöte. Dieser wird übrigens nicht mehr von Peter Weller verkörpert, sondern von Robert John Burke, was inmitten des ganzen Trashspektakels aber kaum noch ins Gewicht fällt. So ganz für sich als schriller Real-Comic betrachtet kann der Film sogar leidlich unterhalten, ist besser als es die meisten Kritiken vermuten lassen und hat einige recht gute Gags und Einfälle, und im Score kehrt auch der legendäre „RoboCop-Marsch“ wieder zurück. Als Trilogie-Abschluss kann er aber nicht bestehen, hier wird in einer Liga gespielt, die mindestens zwei Klassen tiefer anzusiedeln ist.


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Reviewdatum: 8. November 2006

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