Mulholland Drive – Straße der Finsternis

Mulholland Drive - Straße der Finsternis

Mulholland Drive - Straße der Finsternis (OT: Mulholland Drive); Regie: David Lynch; Frankreich, 2001.

Darsteller:
Naomi Watts (Betty Elms / Diane Selwyn), Laura Harring (Rita), Ann Miller (Catherine ‚Coco‘ Lenoix), Dan Hedaya (Vincenzo Castigliane), Justin Theroux (Adam Kesher), Brent Briscoe (Detective Neal Domgaard), Robert Forster (Detective Harry McKnight), Katharine Towne (Cynthia Jenzen), Lee Grant (Louise Bonner), Scott Coffey (Wilkins), Billy Ray Cyrus (Gene), Chad Everett (Jimmy Katz), Rita Taggart (Linney James), James Karen (Wally Brown), Lori Heuring (Lorraine Kesher) …

Inhalt:
Es fängt alles an mit einer geheimnisvollen Schönheit. Ihr Name ist Rita (Laura Elena Harring) und nach einem grauenvollen Unfall hat sie ihr Gedächtnis verloren. Zufällig kommt ihr die freundliche und naive Betty (Naomi Watts) zu Hilfe, die gerade aus Kanada eingeflogen ist, um ein Star der Traumfabrik zu werden. Das Schicksal schweißt die beiden ungleichen Frauen immer intimer zusammen und sie tauchen auf der Suche nach Ritas Vergangenheit tiefer und tiefer in den Untergrund der Gegenwart ein. Ihre Reise wird zunehmend gefährlicher und verworrener. Ein fatalistischer Albträumer und ein mangelhaft begabter Auftragskiller kreuzen ebenso den Weg der Frauen wie ein Erfolgsregisseur, dessen fantastisches Leben von seinen bizarren Finanziers binnen Stunden zerstört wird. Wo mag dieser Weg wohl enden?

Kritik:
Wie kaum ein zweiter Regisseur hat Lynch mit seinen Filmen ein Paralleluniversum geschaffen, das – faszinierend und verstörend zugleich – den Zugang zu seinen Filmen nicht gerade erleichtert, ihnen aber einen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Nachdem er mit seinem Rasenmäher-Roadmovie „The Straight Story“ 1999 ganz im Sinne des Titels eine eher einfache, geradeaus erzählte und lineare Geschichte visualisiert hatte, liefert er mit „Mulholland Drive“ ein Puzzle ab, ein Vexierspiel, das an Verschachtelung und Komplexität kaum zu überbieten ist. Nichts ist hier, wie es scheint, immer wieder wird der Zuschauer auf Irr- und Abwege geführt, erweisen sich Handlungsstränge als Sackgassen und tauchen andere Handlungsstränge aus dem Nichts auf.

Die Geschichte um das aufstrebende Starlet Betty (Naomi Watts in einer grandiosen Doppelrolle) und die mysteriöse Rita ist – einmal wieder – durchsetzt mit typisch Lynch’schen Symbolen und Bildern. Die Straße als Metapher für Schicksalswege taucht etwa nicht nur im deutschen Zusatztitel auf, sondern spielt auch für die Handlung eine äußerst wichtige Rolle, und auch Farben, insbesondere Rot, sollten hier nicht nur unter ihrem dekorativen Aspekt betrachtet werden.

Viel ist über die Handlung und Bedeutung gerätselt und interpretiert worden, wobei zumindestens so viel feststeht, dass der Film in zwei Teile zerfällt – die Bruchstelle wird markiert durch den Club „Silencio“ und die extrem symbolische blaue Box, die auch auf die Täuschungsmechanismen von Hollywood (Bluebox- bzw. Bluescreen-Verfahren) verweist. Der erste Teil ist reines Traumgeschehen und spiegelt die Fantasien und Wünsche von Diana als Betty wider. Im zweiten Teil sehen wir dann die tatsächlichen Erlebnisse von Diana, allerdings in den Zeitebenen munter durcheinandergewürfelt.

Ursprünglich als Pilotfilm für eine dann doch nicht realisierte Fernsehserie geplant, ist „Mulholland Drive“ neben „Lost Highway“ sicher der schwierigste Film von Lynch, ein ausgeklügeltes Vexierspiel, das man mindestens zweimal ansehen muss, um es wirklich zu verstehen. Und selbst dann bleiben viele Fragen und Rätsel offen, wobei es aber vermutlich auch nicht Lynchs Absicht gewesen ist, alle Geheimnisse restlos aufzuklären. Entschädigt wird man durch die ausgezeichneten Darstellungen aller Beteiligten, vor allem Naomi Watts (die zuletzt als gehetzte Reporterin in „The Ring“ 1+2 überzeugen konnte) trägt mit ihrer intensiven und glaubwürdigen Performance viel zum Gelingen des Films bei. Und nicht zuletzt ist es kaum möglich, sich nicht von der äußerst surrealen und düsteren Atmosphäre (obgleich es ein paar absurd-komische Einlagen gibt wie den unfähigen Killer) von „Mulholland Drive“ fesseln zu lassen.

Weitere Infos zum Film:
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Reviewdatum: 22. November 2005

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