Crazies

Crazies

Crazies (OT: The Crazies); Regie: George A. Romero; USA, 1973.

Darsteller:
Lane Carroll (Judy), Will MacMillan (David), Harold Wayne Jones (Clank), Lloyd Hollar (Col. Peckem), Lynn Lowry (Kathy), Richard Liberty (Artie), Richard France (Dr. Watts), Harry Spillman (Maj. Ryder), Will Disney (Dr. Brookmyre), Edith Bell (Labortechniker), Bill Thunhurst (Brubaker), Leland Starnes (Shelby), A.C. McDonald (Gen. Bowen), Robert J. McCully (Hawks), Robert Karlowsky (Sheriff Cooper), Ned Schmidtke (Sgt. Tragesser), Tony Scott (Deputy Shade) …

Inhalt:
Ein Militärflugzeug, welches biologische Waffen transportiert, stürzt in der Nähe des Ortes Evans City in Pennsylvania ab und der an Bord befindliche Virenstamm verseucht das Trinkwasser der Umgebung – was Folgen für die Betroffenen hat: Tod oder irreparable Schädigung des Gehirns. Die Regierung lässt das Gelände durch die Armee abriegeln, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Doch die mangelnde Informationspolitik und das brutale Vorgehen der Soldaten schürt Misstrauen und Panik under den Einwohnern. Als es zu brutalen Gewaltausbrüchen durch die Infizierten kommt, die auch Todesopfer unter den Soldaten fordern, gerät die Lage komplett außer Kontrolle. Insbesondere, da das hochansteckende Virus auch die Soldaten infiziert. Das Ende lässt sich nicht mehr aufhalten …

Kritik:
„Crazies“ ist ein interessantes B-Movie von George A. Romero, das hierzulande eigentlich erst durch die DVD-Veröffentlichung 2005 richtig wiederentdeckt wurde. Die Geschichte um ein sich unkontrolliert verbreitendes Serum, das die Infizierten zu Amok laufenden Wahnsinnigen macht, erinnert an „28 Days Later“, vor allem aber sind mannigfaltige Bezüge zu Romeros Zombiefilmen unverkennbar.

Im Zentrum des Geschehens steht die Flucht einer bunt zusammengewürfelten Gruppe, die quasi zwischen die Fronten gerät und sich sowohl des Militärs als auch der Wahnsinnigen erwehren muss. Insbesondere mit den Soldaten in weißen Schutzanzügen gelang Romero ein äußerst beklemmendes, symbolistisches Bild zum Thema Bevormundung der Zivilbevölkerung durch die Obrigkeit, mit zum Konzept gehört, dass kaum zu verstehen ist, was die Einsatzkräfte hinter ihren Schutzmasken nuscheln. Die Wahnsinnigen erinnern in ihrem sprunghaften, von dunklen Emotionen getriebenen Verhalten ein wenig an die Sexbesessenen aus David Cronenbergs „Shivers“ – und mit Lynn Lowry ist auch eine bei Exploitationfans Kultstatus genießende B-Movie-Actrice aus diesem Film hier mit dabei –, besonders deutlich, wenn einer der verrückt gewordenen Gruppenmitglieder versucht, seine Tochter zu vergewaltigen.

Mit äußerst schmalem Budget auf 16-mm-Filmmaterial entstanden, ist die Produktion natürlich weit von Hollywood-Hochglanz-Standard entfernt, mit schnellen Schnitten erzielt Romero aber dennoch eine beträchtliche Wirkung und gibt dem Film einen Comic-Strip-artigen Charakter. Wie gesagt, es gibt einiges, was an die Zombiefilme denken lässt, mit denen der Regisseur berühmt geworden ist, die Auseinandersetzung zwischen Militär und Wissenschaftlern etwa findet sich – klaustrophobisch verdichtet – in „Day of the Dead“ wieder, und die Jagdszenen auf die Wahnsinnigen erinnern stark an „Dawn of the Dead“. Unverkennbar ist „Crazies“ darüber hinaus eine Auseinandersetzung mit dem Vietnamtrauma geworden und zeigt drastisch die Folgen eines übermächtigen, außer Kontrolle geratenen Militärapparats. Denn die wahren Verrückten, das war bei Romero schon immer so, sind stets diejenigen, die den Finger am Abzug haben.

Aus heutiger Sicht wirkt „Crazies“ stellenweise reichlich trashig und schafft es nicht, eine wirklich zupackende Atmosphäre zu generieren. Hinzu kommt, dass die Darsteller reichlich blass bleiben, sodass man kaum mit ihnen mitfiebert. Dennoch besitzt „Crazies“ einiges an Qualitäten, an memorablen Szenen und guten Ideen, was ihn nicht nur zum Pflichtprogramm für Romero-Fans macht, sondern auch empfehlenswert für alle, die mal wieder einen leicht politisch angehauchten, originellen Apokalypse-Thriller mit kultigem 70er-Feeling sehen möchten.

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Reviewdatum: 2. Dezember 2005

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