Rosso – Die Farbe des Todes (Deep Red)

Rosso - Die Farbe des Todes (Deep Red)

Rosso – Die Farbe des Todes (Deep Red) (OT: Profondo Rosso); Regie: Dario Argento; Italien, 1975.


Darsteller:
David Hemmings (Marcus Daly), Daria Nicolodi (Gianna Brezzi), Gabriele Lavia (Carlo), Macha Méril (Helga Ulmann), Eros Pagni (Supt. Calcabrini), Giuliana Calandra (Amanda Righetti), Piero Mazzinghi (Bardi), Glauco Mauri (Prof. Giordani), Clara Calamai (Martha, Carlos Mutter), Aldo Bonamano (Carlos Vater), Liana Del Balzo (Elvira, Amandas Dienstmädchen), Vittorio Fanfoni (Cop taking notes), Dante Fioretti (Polizeifotograf), Geraldine Hooper (Massimo Ricci) …

Inhalt:
Ein seltsam leerer Platz, eine einsam beleuchtete Bar mit bewegungslosen Gästen, davor zwei Menschen auf ihrem nächtlichen Streifzug. Urplötzlich beobachtet Mark, einer dieser Nachtgestalten, einen entsetzlichen Mord an einem Fenster. Er eilt zum Tatort durch einen Gang voller alptraumhafter Gemälde. Der Täter scheint bereits verschwunden, doch irgendetwas glaubt Marc am Tatort gesehen zu haben, das den entscheidenden Hinweis liefern könnte. Was ist es, das er und der Zuschauer in jener Nacht gesehen haben? Ein plötzlich verschwundenes Gemälde? Eine Reflexion im Spiegel? Vielleicht sogar den Mörder selbst? Marc und der Zuschauer machen sich auf die Suche nach dem Geheimnis dieser Nacht, nach einem lang zurückliegenden, furchtbaren Ereignis und auch nach der eigenen Erinnerung …

Kritik:
Der in der Inhaltsangabe genannte „seltsam leere Platz“ mit der „einsam beleuchteten Bar“ ist nichts weniger als ein in Filmbilder umgesetztes Gemälde, nämlich das berühmte Bild „Nighthawks“ von Edward Hopper, welches dann auch gleich die Stimmung für diesen kühlen, edlen Thriller vorgibt. In der Hauptrolle sehen wir David Hemmings, was nicht die einzige Gemeinsamkeit mit „Blow Up“ von Michelangelo Antonioni ist: In beiden Filmen wird ein Künstler zufälliger Augenzeuge eines Mordes und stellt, von einer eigenartigen Faszination ergriffen, auf eigene Faust Nachforschungen an. Und in beiden Filmen geht es – wenn auch von verschiedenen Ansätzen aus – um die Relativität von Wahrheit und Realität.

Einen Hinweis zur Aufschlüsselung des komplexen Mordfalls – weitere Morde werden hinzukommen – liefert Argento bereits in einer Unterbrechung des Vorspanns. Doch bis zur Aufklärung ist es ein weiter Weg, dessen Stationen Parapsychologie und Kindheitstrauma heißen. In geradezu kunstvollen Bildern sehen wir, wie der ruhige und zurückhaltende Held Marc Daly, eigentlich eher ein Antiheld, begleitet von der umso quirligeren Reporterin Gianna Brezzi (Dario Argentos Lebensgefährtin Daria Nicolodi) nach und nach die Teilchen eines überaus komplizierten Puzzles zusammensetzt, wobei die beiden gleichzeitig eine sich sarkastisch und widerspenstig entwickelnde Liebesgeschichte voller Wortwitz durchleben, was den düsteren Thriller angenehm auflockert. Gut gefallen auch die sparsam, aber effektiv eingesetzten Running Gags, etwa der desaströse Fiat 500 von Gianna, den das ungleiche Paar wegen klemmender Türen stets durch das Faltdach verlassen muss, oder die Tatsache, dass Marc, wenn er von unterwegs anruft, immer an sehr laute und widrige Orte gerät wie ein Café-Telefon direkt neben der dampfenden und zischenden Espressomaschine oder eine Telefonzelle, die auf dem Mittelstreifen einer Schnellstraße zu stehen scheint.

Dario Argento hat mit „Profondo Rosso“ erstmals seinen Stil vollends gefunden, es ist ein meisterhaft gefilmter Film, die Kamera ist unentwegt in Bewegung, zoomt auf Details im Mikrokosmos, um dann wieder in eine unpersönliche Totale zu gehen. Die Morde kündigen sich stets durch eine beunruhigende Stimmung an und sind wahrlich perfide – auf Details soll hier nicht nur der Spannungserhaltung wegen verzichtet werden. Die Spannung bleibt stets auf hohem Level, trotz der beachtlichen Spielzeit von über 2 Stunden sind keine Längen zu vermelden. Zur Dichte des Films trägt nicht zuletzt die italienische Band Goblin bei, deren eigentümliche, dynamische Mischung aus abgehacktem Progressive Rock und schwellenden Keyboardsounds hier erstmals in einem Film erklingt. Ein großartiger Thriller!

Weitere Infos zum Film:
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Reviewdatum: 24. August 2006

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