Drag Me to Hell

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Drag Me to Hell; Regie: Sam Raimi; USA, 2009.

Darsteller:
Alison Lohman (Christine Brown), Justin Long (Clay Dalton), Lorna Raver (Mrs. Ganush), Dileep Rao (Rham Jas), David Paymer (Mr. Jacks), Adriana Barraza (Shaun San Dena), Chelcie Ross (Leonard Dalton), Reggie Lee (Stu Rubin), Molly Cheek (Trudy Dalton), Bojana Novakovic (Ilenka Ganush), Kevin Foster, (Milos)

Inhalt:
Die junge Christine Brown ist ganz auf der Sonnenseite des Lebens: In der Bank, in der sie arbeitet, winkt ihr eine Beförderung, und sie ist glücklich verliebt in den gut aussehenden und erfolgreichen Clay. Doch nachdem sie, um vor ihrem Chef zu glänzen, einer alten Frau eine Kreditverlängerung verweigert, wird alles anders: Mrs. Ganush, die alte Frau, entpuppt sich als Hexe mit übernatürlichen Fähigkeiten und belegt Christine mit einem tödlichen Fluch, der sie binnen drei Tagen in die Hölle schicken soll. Fortan wird sie von dämonischen Visionen und Angriffen dunkler Mächte geplagt. Wird sie ihrem Schicksal noch entrinnen können?

Kritik:
Schon das altertümelnde Universal-Weltkugel-Logo im Vorspann macht es deutlich: Sam Raimi, zuvor vor allem mit den Spider-Man-Filmen beschäftigt, geht hier zurück zu seinen Wurzeln, zum anarchischen 80er-Jahre-Dämonensplatter seiner „Tanz der Teufel“-Ära. Doch haben sich die Rahmenbedingungen gewandelt: Ging es in „The Evil Dead“ den Protagonisten noch darum, einfach Spaß zu haben und einen schönen Urlaub zu genießen, so ist in „Drag Me to Hell“ die Finanzkrise angekommen, und Christine Brown kämpft mit den Tücken der Karriereleiter. Man muss auch harte Entscheidungen treffen können, wenn man weiterkommen will, wird ihr von ihrem Chef bedeutet. Was das heißt, wird ihr klar, als die alte Mrs. Ganush bei ihr um einen Aufschub ihrer Hypothekenzahlungen bittet. Christine lehnt das Begehren ab und bleibt auch hart, als sich die Romafrau vor ihr niederkniet, ihren Rocksaum küsst. Sie lässt die unliebsame Bittstellerin vom Sicherheitsdienst hinausbegleiten.

Doch nur wenig später trifft sie im Parkhaus erneut auf Mrs. Ganush, die sie in bizarrer, trashig übersteigerter Form attackiert und schließlich einen Fluch ausspricht: Binnen drei Tagen soll Christine zur Hölle fahren! Ab da an lässt Raimi den Zuschauer kaum zur Ruhe kommen, in einer grellen Achterbahnfahrt werden die Auswirkungen des Fluchs visualisiert, was von unerklärlichem Nasenbluten geht über Kuchenstücke, die Augen bekommen, bis hin zu unsichtbaren Geistern, die Christine durch die Luft schleudern. Auch die mittlerweile verstorbene Mrs. Ganush manifestiert sich ein aufs andere mal in höchst abstoßender Weise.

In bewährter Grand-Guignol-Manier setzt Raimi auf eine plakative Übersteigerung der Effekte – das Nasenbluten eskaliert etwa in einer den Bürokollegen besudelnden Fontäne –, und schafft es so stets, Entsetzen und Ekel gleichzeitig in einen befreienden Splatterhumor aufzulösen: Die Phänomene sind so furchtbar, dass sie schon wieder lustig sind. Nichtsdestotrotz weiß der Film immer mal wieder mit einigen wohldosierten Schockeffekten zu überraschen, insbesondere in den Höhepunktszenen bei der Geisterbeschwörung und auf dem Friedhof.

„Drag Me to Hell“ ist bestes Horrorkino in der Tradition der alten EC Comics, nach deren geradlinigem Schema der bösen Tat die Strafe auf dem Fuße folgt – und dies inszeniert Sam Raimi so hinreißend direkt und konsequent old-school-artig, dass man den Film einfach mögen muss. So sympathisch Christine auch wirkt, entscheidend ist, dass sie im entscheidenden Augenblick moralisch versagt hat. Unschwer lassen sich hier auch gesellschaftskritische Bezüge ablesen, indem vor die Aufnahme in höhere Gesellschaftsschichten – mittels der Beförderung – die Korrumpierung gestellt wird, der Verrat an den Ärmsten der Armen.

Interessanterweise wurde in den Film als Subplot noch eine völlig andere Lesart eingebaut, nämlich die Auseinandersetzung einer jungen Frau mit Essstörungen und Bulimie. Es wird mehrfach darauf hingewiesen, dass Christine als Kind wegen ihres Übergewichts gehänselt wurde, man sieht sie im Film im Gegensatz zu ihren Bürokollegen nie etwas essen – als sie es doch einmal versucht, bekommt der Kuchen prompt ein Auge und schaut sie unheilvoll an –, sie bleibt einmal sehnsuchtsvoll vor der Schaufensterauslage einer Confiserie stehen, und in ihren Visionen geht es häufig darum, dass sie eklige Dinge in den Mund bekommt.

Weitere Infos zum Film:
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Reviewdatum: 30. April 2013

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