Das Schloss des Grauens

Das Schloss des Grauens

Das Schloss des Grauens (OT: La Vergine di Norimberga); Regie: Antonio Margheriti; Italien, 1963.


Darsteller:
Rossana Podestà (Mary Hunter), Georges Rivière (Max Hunter), Christopher Lee (Erich), Jim Dolen (John Selby, FBI Agent), Lucile Saint-Simon, Patrick Walton, Carole Windsor, Rex Vidor, James Borden, Peter Hardy, Bredon Brett, Robert Mayor …

Inhalt:
Auf einem uralten Schloss sind bereits vier Menschen durch mittelalterliche Folterinstrumente zu Tode gequält worden. Mary Garson, die junge Schlossherrin, macht sich auf die Jagd nach dem grausamen Täter, der Nacht für Nacht durch die Kellergewölbe des unheimlichen Gebäudes geistert. In der Rüstungskammer, in der auch eine „Eiserne Jungfrau“ steht, die berüchtigtste Tortur mittelalterlicher Tribunale, enthüllt sie ein schreckliches Geheimnis, das wie ein Fluch auf der Familie ihres Mannes lastet.

Kritik:
Antonio Margheriti (1930–2002) ist vielen Trashfans ein Begriff, in seiner vielbewegten Karriere hat er legendäre Science-Fiction-Perlen wie „Raumschiff Alpha“ und „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ gedreht, und zusammen mit Paul Morrissey führte er Regie bei den Andy-Warhol-Versionen von „Dracula“ und „Frankenstein“. Als „Handwerker des Kinos“ ging es ihm nie um die große Kunst, im Vordergrund stand gut gemachte Unterhaltung. Gemessen an diesem eigenen Anspruch kann man sein Frühwerk „La Vergine di Norimberga“ (= „Die Jungfrau von Nürnberg“, bezogen auf das Folterinstrument „eiserne Jungfrau“, das im Film eine wichtige Rolle spielt) als durchaus ambitioniert betrachten, gelang ihm hier doch ein Paradeexemplar des Gothic Horror, getaucht in blutrote Technicolor-Farben, höchst liebevoll ausgestattet, wie es auch die Hammer Studios nicht besser hinbekommen hätten.

Obgleich der Film bereitwillig alle Klischees romantischer Schlossgrusler liefert – Schreie aus der Dunkelheit, sinistre Bedienstete, finstere Geheimgänge –, weist er doch einige Besonderheiten auf, die ihn aus dem Genredurchschnitt herausheben: Die weibliche Hauptfigur Mary Garson (Rossana Podestà) ist etwa nicht nur beschützenswertes Opfer oder gejagte Scream Queen, sondern verhält sich ein ums andere Mal sehr taff, geht den Dingen mutig auf den Grund und jagt auch schon mal einem mysteriösen Eindringling, bevor er die Tür zu ihrem Schlafgemach öffnen kann, ein Messer ins Handgelenk, um dessen Rückzug dann noch mit einem trockenen „Gespenster bluten nicht“ zu kommentieren. Zudem gibt es hier einige für 1963 äußerst harte Szenen zu sehen, ein Opfer der eisernen Jungfrau ist mit blutigen Augenhöhlen ohne Augen zu sehen, einem anderen Opfer wird von Ratten die halbe Nase abgefressen. Schließlich ist auch die durchaus weltliche Erklärung der mysteriösen Vorgänge alles andere als genretypisch. Ohne zu viel zu verraten: Vom Grauen im Schloss wird zwar vordergründig eine zeitliche Linie zu den Foltermeistern des 16. Jahrhunderts gezogen, tatsächlich stellt die Auflösung dann aber einen deutlichen Bezug zu den Gräueltaten des 3. Reichs her. In der deutschen Kinofassung wurden damals allerdings sämtliche Nazibezüge aus dem Film herausgeschnitten.

Christopher Lee, im Vorspann übrigens groß als „Cristopher Lee“ angekündigt, spielt mit dem Schlossverwalter Erich eher eine Nebenrolle, die durch ihre Prägnanz aber sehr zum Gelingen des Films beiträgt. Angeblich einer der „Guten“, wirkt er mit fies aussehender Narbe am Auge und bedingt durch seine schiere Größe, die durch eine schlichte, schwarze Adjutantenuniform noch betont wird, durchaus bedrohlich. Allerdings werden im Laufe des Films noch ganz andere Register gezogen, was das Kapitel gruselige Erscheinung angeht. Einen großen Anteil an der ganz besonderen Atmosphäre dieses Films hat schließlich der gelungene Soundtrack von Riz Ortolani, eine geschickte Mischung aus Jazz- und Klassikmotiven, die stets dicht am Geschehen bleibt und dieses mal subtil untermalt, dann wieder pointiert mit anschwellenden Crescendi und jähen Tuschen betont. Wer die Gothic-Grusler aus dem Hause Hammer oder von Mario Bava liebt, wird auch bei diesem originellen und in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Gruselklassiker auf seine Kosten kommen.

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Reviewdatum: 17. November 2006

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