Uhrwerk Orange

Uhrwerk Orange

Uhrwerk Orange (OT: A Clockwork Orange); Regie: Stanley Kubrick; Großbritannien, 1971.

Darsteller:
Malcolm McDowell (Alex de Large), Patrick Magee (Mr. Alexander), Michael Bates (Chief Guard), Warren Clarke (Dim), John Clive (Stage Actor), Adrienne Corri (Mrs. Alexander), Carl Duering (Dr. Brodsky), Paul Farrell (Tramp), Clive Francis (Lodger), Michael Gover (Prison Governor), Miriam Karlin (Catlady (Miss Weathers)), James Marcus (Georgie), Aubrey Morris (Mr. P. R. Deltoid), Godfrey Quigley (Prison Chaplain), Sheila Raynor (Mum) …

Inhalt:
„Uhrwerk Orange“ ist eine qualvolle Reise in eine nahe Zukunft, durch verfallene Städte voll mörderischen Gesindels und alptraumhafter Methoden der Kriminalität und ihrer Bestrafung. Im Mittelpunkt steht Alex, der kämpft, raubt, schändet und mordet wie ein gewissenloses Raubtier. Man verhaftet ihn und sperrt ihn ein. Er wird einem grausamen Verfahren unterzogen, das ihn wieder gesellschaftsfähig machen soll, funktionierend wie ein Uhrwerk Orange, äußerlich gesund und intakt, im Inneren jedoch verkrüppelt und begrenzt auf Reflexe, die er selbst nicht mehr kontrollieren kann. Was aber kann die Gesellschaft noch für Alex tun – oder ihm antun -, nachdem seine „Kur“ ihn verteidigungsunfähig der Rache seiner Opfer überlässt?

Kritik:
In „Uhrwerk Orange“ erzählt uns Stanley Kubrick ein Gleichnis, eine Parabel, und greift dabei entsprechend auf ein starres Erzählschema zurück. Wir sehen die Erlebnisse der Hauptfigur Alex, von ihm selbst aus dem Off kommentiert, in drei Abschnitte unterteilt: Zunächst werden die Untaten von Alex und seinen „Droogs“ gezeigt, ästhetisierend mit klassischer Musik untermalt und überinszeniert – als groteskes Ballett (Massenschlägerei) oder als Tanz (Überfall auf das Schriftsteller-Ehepaar). Es ist die konsequent subjektive Sichtweise des Protagonisten, für den das Leben ein rauschhafter Zusammenschnitt gewalttätiger Omnipotenz ist. Im zweiten Abschnitt wird der verhaftete Alex zwecks Heilung dem sogenannten Ludovico-Verfahren unterzogen – einer Art pawlowscher Konditionierung, bei der Gewalt bei ihm assoziativ mit Ekel und Abscheu verankert wird. Der dritte Abschnitt indes entlarvt – in einer Wiederholung der Szenen aus dem ersten Abschnitt unter umgekehrten Vorzeichen – nicht nur die Fragwürdigkeit des Verfahrens, sondern auch das Potenzial der Opfer des ersten Teils, unter anderen Vorzeichen gleichfalls zu Tätern zu werden. Alex versucht sich das Leben zu nehmen, überlebt, und dem öffentlichen Druck folgend wird das Ludovico-Verfahren bei ihm rückgängig gemacht und er wird in eine ungewisse Zukunft entlassen.

Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“ nach einem Roman von Anthony Burgess funktioniert auf vielerlei Ebene. Es ist eine groteske Gesellschaftssatire, die die Konvention Science Fiction lediglich nutzt, um eine parodistisch überhöhte Parallelwelt zu entwerfen, die regiert wird von Sex, Egoismus und Gewalt. Hier ist niemand sympathisch. Gleichzeitig ist der Film ein stilistisches Gesamtkunstwerk, steril und kühl, artifiziell, durchgestylt. Die aufgeworfene Frage, ob der Mensch konditionierbar ist, „gut“ zu sein, wird klar negativ beantwortet, sie steht aber letztlich nicht im Mittelpunkt. Denn in „Uhrwerk Orange“ gibt es das Gute ohnehin nicht, der Film ist Ausdruck einer pessimistischen Weltsicht, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse dahingehend verschwimmen, dass in jedem das Potenzial zum Gewalttäter steckt, wenn es die äußeren Umstände nur zulassen.

Weitere Infos zum Film:
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Reviewdatum: 20. September 2006

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