RoboCop

RoboCop

RoboCop (OT: RoboCop); Regie: Paul Verhoeven; USA, 1987.

Darsteller:
Peter Weller (Officer Alex J. Murphy / RoboCop), Nancy Allen (Officer Anne Lewis), Dan O’Herlihy (Der alte Mann), Ronny Cox (Dick Jones), Kurtwood Smith (Clarence Boddicker), Miguel Ferrer (Bob Morton), Robert DoQui (Sergeant Warren Reed), Ray Wise (Leon Nash), Felton Perry (Johnson), Paul McCrane (Emil Antonowsky), Jesse D. Goins (Joe Cox), Del Zamora (Kaplan), Calvin Jung (Steve Minh), Rick Lieberman (Walker), Lee de Broux (Sal) …

Inhalt:
Detroit in naher Zukunft. Die Kriminalitätsrate ist drastisch angestiegen. Eine Lösung bietet das RoboCop-Programm der Firma OCP, die auch die Polizei übernommen hat. Als der Polizist Murphy von Bandenchef Clarence und seinen Männern zusammengeschossen wird, verwandelt man den Körper des Toten in eine stählerne, hochgerüstete Law & Order-Maschine. Obwohl perfekt programmiert, ist seine Erinnerung nicht vollständig ausgelöscht worden. Murphy macht sich auf die Suche nach seinen Mördern und entdeckt, dass der Drahtzieher hinter Clarence‘ Verbrechen, Jones, in der Chefetage von OCP sitzt.

Kritik:
Der niederländische Regisseur Paul Verhoeven gilt als nicht zimperlich, wenn es um explizite Darstellungen geht, sei es im Bereich der Erotik („Basic Instinct“, „Show Girls“) oder im Bereich der Gewalt („Total Recall“, „Starship Troopers“). Gleichzeitig gilt als sein Markenzeichen, dass er seinen Actionfilmen gerne einen satirischen Überbau der Gesellschaftskritik verpasst, und auch sein früher Klassiker „RoboCop“ macht da keine Ausnahme. Das zukünftige Detroit wird dargestellt als Sündenpfuhl, in dem Gewalt und Anarchie von der Polizei nur mühsam und unzureichend unter Kontrolle gehalten werden können. Doch auch die Verantwortlichen sind nicht besser: Der alles beherrschende Konzern OCP wird gesteuert durch kalte und machtgeile Yuppies, die Kokain nehmen und mit der Unterwelt an einem Strang ziehen. Wie auch in „Starship Troopers“ durchziehen den Film immer wieder satirische Einblendungen von Nachrichtensendungen und Werbespots, die das Bild einer Welt verdichten, die von Gewalt, Geldgier und Konsumwahn regiert wird.

RoboCop, ein Mischwesen aus Mensch und Maschine und perfekter, unbesiegbarer Polizist, erscheint in dieser Welt wie ein Heilsbringer, wie ein Jesus für die Armen und Schutzlosen – der aber auch etwas leicht Verstörendes an sich hat, wenn er sich bei den Kaufleuten, deren Laden halb zerschossen wurde, für die gute Kooperation bedankt oder die Frau, die um ein Haar vergewaltigt wurde und sich an ihn klammernd bedankt, sachlich aufklärt: „Sie stehen unter einem emotionalen Schock. Ich werde ein Notzuchtkrisencenter benachrichtigen.“ Tatsächlich hat Verhoeven auf einer Subebene den titelgebenden Cyborg als Metapher von Jesus‘ Kreuzigung und Auferstehung angelegt. Allerdings ist es ein uramerikanischer Jesus, dessen „Kreuzigung“ übertrieben brutal angelegt ist, der Polizist Murphy wird bei einem Einsatz nicht nur erschossen, sondern mit unzähligen Schüssen regelrecht hingerichtet. Die „Auferstehung“ sehen wir aus der Egoperspektive, immer wieder wird das Bild getrübt und zerfällt wieder in Schlieren, bis Robo, wie er fast zärtlich genannt wird, schließlich Geburtstag feiern kann.

RoboCops metallener Konkurrent um die Gunst der Polizei (und Militärs) ist ein plumper Kampfroboter namens ED-209 wie aus japanischen Trashcomics, der vor Kraft kaum laufen kann und vor allem die Hybris seiner Erbauer widerspiegelt (sein Gegenstück in der Kommerzwelt ist der benzinsaufende Amischlitten 6000 SUX, der im Film immer wieder auftaucht). Typisch für Verhoevens Kombination von brutalster Gewalt, die ins Absurde kippt, mit trockenem Humor ist die versehentliche Erschießung des OCP-Mitglieds Kinney bei der Vorführung des ED-209. Kinney wird für alle ersichtlich von Dutzenden von Kugeln praktisch zerfetzt, und in die lähmende Stille sagt dann jemand „Holt doch einen Krankenwagen!“, während der für das Projekt verantwortliche Dick Jones von einer „kleinen Panne“ spricht.

Für die Rolle des RoboCop war zunächst Arnold Schwarzenegger angedacht, doch entschied das Filmteam schnell, dass er mit seiner bulligen Statur im RoboCop-Kostüm eher wie das Michelin-Männchen aussehen würde. Stattdessen bekam der weniger bekannte Peter Weller die Rolle, was ein Glücksgriff war: Obgleich die meiste Zeit nur die Mundpartie von seinem Gesicht zu sehen ist, verleiht er dem RoboCop, äußerlich übrigens eine unverhohlene Hommage an den „Maria“-Roboter aus Fritz Langs „Metropolis“, eine gewisse Grandezza, mit Bewegungen, die abgehackt und maschinell, doch gleichzeitig geschmeidig und behände wirken. Doch auch die weiteren Rollen wurden hervorragend besetzt, besonders Miguel Ferrer glänzt als skrupelloser Robocop-Programmleiter Bob Morton – hier zementierte er erstmals seine Appearance als kalter Zyniker, die er später auch in „Stephen King’s The Night Flier“ als Sensationsreporter und in „Twin Peaks“ als FBI-Experte weiter ausbauen sollte.

RoboCop folgt ganz der Tradition der gebrochenen Superhelden aus der Comicwelt wie Batman oder Superman, ist aber ebenso der Linie der tragischen Monster aus der Horrorwelt verpflichtet. Der Film hat unzählige Implikationen gesellschaftlicher, religiöser und philosophischer Art, doch verleugnet dabei zu keiner Sekunde, ein reinrassiger Actionreißer zu sein, der einen mit blutigen Shoot-outs, Kämpfen Roboter gegen Roboter und einer sinistren Verschwörungsgeschichte im Hintergrund bestens unterhält. Ein Meilenstein des Genres und auch aus heutiger Sicht noch einer der besten Actionfilme aller Zeiten.


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Reviewdatum: 6. November 2006

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