Engelsgesicht

Engelsgesicht

Engelsgesicht (OT: Angel Face); Regie: Otto Preminger; USA, 1952.

Darsteller:
Robert Mitchum (Frank Jessup), Jean Simmons (Diane Tremayne Jessup), Mona Freeman (Mary Wilton), Herbert Marshall (Mr. Charles Tremayne), Leon Ames (Fred Barrett), Barbara O’Neil (Mrs. Catherine Tremayne), Kenneth Tobey (Bill Crompton), Raymond Greenleaf (Arthur Vance), Griff Barnett (der Richter), Robert Gist (Miller), Morgan Farley (Juror), Jim Backus (Dist. Atty. Judson) …

Inhalt:
Ambulanzfahrer Frank Jessup (Robert Mitchum) kann in letzter Sekunde die reiche Mrs. Tremanye (Barbara O’Neil) retten, bevor sie in ihrem Auto an Gasen erstickt. Frank lernt ihre Tochter Diane (Jean Simmons) kennen und lieben, stellt aber auch fest, dass die ihre Stiefmutter so sehr hasst, wie sie ihren Vater (Herbert Marshall) liebt. Als Diane das Auto der Stiefmutter manipuliert, stürzt der Vater allerdings mit ihr in den Tod. Diane und Frank müssen sich vor Gericht verantworten, werden nach ihrer Heirat dank ihres Anwalts aber freigesprochen. Als Frank sich von ihr trennen will, wird Diane zur Furie.

Kritik:
In „Engelsgesicht“ adaptierte Drehbuchautor und Oscar-Gewinner Ben Hecht eine Kurzgeschichte von Charles Erskine für die Leinwand, als Regisseur wurde Otto Preminger verpflichtet, der bereits 1944 mit „Laura“ (u.a. mit Vincent Price) einen Film-noir-Klassiker ablieferte und dem wir auch Klassiker wie „Fluss ohne Wiederkehr“ mit Marilyn Monroe verdanken.

Es ist eine bitterböse Geschichte einer mordenden Femme Fatale, die hier erzählt wird, eine Geschichte von Mutterliebe, Vaterhass und Begehren über die Grenzen sozialer Schichten hinweg. Jean Simmons, die 1948 in Laurence Oliviers Shakespeare-Verfilmung „Hamlet“ als bezaubernde Ophelia berühmt wurde, war bis dahin eher auf positiv konnotierte Rollen festgelegt, meistert den Sprung auf die dunkle Seite aber großartig, indem sie die hochneurotische Diane nicht einfach als „böse“ spielt, sondern als durchaus Reue empfindenden Charakter, der sich mehr und mehr im Netz der eigenen Leidenschaften verstrickt.

Robert Mitchum gibt den Ambulanz- und passionierten Rennfahrer lakonisch und cool, immer wieder versucht er auf eine gesunde Distanz zur so gar nicht zu ihm und seinem Milieu passenden Diane zu gehen – als seine „Love Interest“ Mary setzt die blonde Mona Freeman bodenständige Gegenakzente –, ist aber doch zu sehr Abenteurer, um vom Reiz des Spiels mit dem Feuer ganz lassen zu können, zumal er letztlich korrumpierbar ist und auch dem geschenkten Rennwagen und dem geliehenen Geld für seine eigene Werkstatt nicht widerstehen kann.

„Engelsgesicht“ ist mit seiner fatalistischen und nihilistischen Story voll Freud’scher Anklänge weniger von der Bildersprache, umso mehr aber von der Intention ein klassischer Film noir; schnell ist klar, dass sich die Protagonisten in einem tödlichen Strudel befinden, aus dem es kein Entrinnen gibt. Seinen stärksten Moment hat der Film in der von den melancholischen Klavierklängen von Dimitri Tiomkin getragenen Einstellung der einsam umherwandernden Diane, eine perfekte Inszenierung ihrer zerrissenen, einsamen Seele. Ein böser, dunkler Film!

Weitere Infos zum Film:
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Reviewdatum: 13. Februar 2006

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