Basquiat

Basquiat

Basquiat (OT: Basquiat); Regie: Julian Schnabel; USA, 1996.

Darsteller:
Jeffrey Wright (Jean Michel Basquiat), Michael Wincott (Rene Ricard), Benicio Del Toro (Benny Dalmau), Claire Forlani (Gina Cardinale), David Bowie (Andy Warhol), Dennis Hopper (Bruno Bischofberger), Gary Oldman (Albert Milo), Christopher Walken (Interviewer), Willem Dafoe (The Electrician), Jean-Claude La Marre (Shenge), Parker Posey (Mary Boone), Elina Löwensohn (Annina Nosei), Paul Bartel (Henry Geldzahler), Courtney Love (Big Pink), Tatum O’Neal (Cynthia Kruger) …

Inhalt:
Mit 19 lebt er auf der Straße, mit 27 stirbt er an einer Überdosis Heroin. In den dazwischenliegenden acht Jahren steigt er zu einem der meistgefeierten Stars der New Yorker Kunstszene auf: Jean-Michael Basquiat. Das Leben des Streetkids ändert sich Anfang der 80er Jahre schlagartig, als er Andy Warhol trifft. Dieser erkennt das einzigartige Talent, das in dem Graffiti-Künstler steckt, und verhilft ihm innerhalb der Szene Sohos zu einem kometenhaften Aufstieg. Doch die konsumorientierte Kunst-Kultur ist das reinste Haifischbecken und Basquiats selbstzerstörerische Seele dem schnellen Ruhm nicht gewachsen. Mehr und mehr verfällt er den Drogen und steuert dem Abgrund zu …

Kritik:
Ein Film über den James Dean der Kunstgeschichte, in dem David Bowie den legendären Andy Warhol spielt, der von einem Enfant terrible der 80er-Jahre-Kunstszene in New York gemacht wurde und in welchem sämtliche Klischees vom Aufstieg und Fall des Künstlergenies bedient werden. Das ist eindeutig ein wenig zu viel des Guten. Julian Schnabel inszenierte „Basquiat“ 1996, acht Jahre nach dem tragischen Ende des 27jährigen – es war Heroin und angeblich die Trauer um den Tod seines Mentors Andy Warhol.

Der Film beginnt mit einer Sequenz, in der sich der – trotz allen Drecks – verteufelt gut aussehende Basquiat aus den ärmlichen Pappdeckeln schält, die ihm nächtlichen Unterschlupf gewährten. Und schon da ahnt man, dass bald kontrastreich der Aufstieg des jungen Wilden ins Bild gesetzt wird. Klar, die Künstler provozieren, sind laut und sinnlich ausufernd, schlagen ihre Freundinnen und lassen sich nicht verbiegen, wenn reiche Kunstschlampen ihr Bild kaufen möchten. Aber sie wollen dennoch gerne eine Runde auf dem Karussell mitfahren, auf dem sich exzentrische Sammler, dominahafte Galeristinnen und sonstige Protagonisten der Szene zwischen Popkultur und Kunst im Kreise drehen. Ob es da tatsächlich zwischen all dem oberflächlichen Gehabe eine tiefe Verbundenheit zwischen Künstlern wie Andy Warhol und Jean Michel Basquiat gegeben hat?

Julian Schnabel, der selbst als Maler mit kurzem Aufflackern als sogenannter Neo-Expressionist (gerne mit Hirschgeweih-Einsprengseln in seinen Kompositionen) in der New Yorker Szene auffiel, tritt als Regisseur in Erscheinung, der den Hauptdarsteller Jeffrey Wright immer wieder zu emotionalen Ausbrüchen anfeuert. Das ist beim Zugucken hin und wieder anstrengend und verstellt auch die Frage nach der eigentlichen Botschaft in der Kunst Basquiats. Wie schon oft bei Künstlerfilmen gesehen, bleibt eine Erklärung nach dem Warum der Kunst im Hintergrund. Wenig interessiert die Genese einer Kunst, die zwischen schwarzafrikanischer Magie, Grafitti, Kinderzeichnungen, Totemfiguren und Piktogrammen sowie Werbebotschaften oszilliert. Was grenzt denn Basquiat beispielsweise von einem Keith Haring ab, der ja ebenfalls mit illegalen Grafitti-Aktionen begann? Interessant übrigens, dass David Bowie auch malt und dabei auch schon mal ganz nah an die basquiatschen Expressionismen heranreicht!!! Irgendwie scheint der Mythos vom sich selbst zerstörenden Künstler eine latente Faszination auszustrahlen. Eine Kerze sozusagen, die von beiden Seiten brennt. Das Kreative scheint nur im Chaos möglich.

Weswegen der Film trotzdem sehenswert ist? Weil es eine Cast gibt, die Robert Altmann das Wasser im Munde zusammenlaufen ließe: neben dem schon erwähnten David Bowie Gary Oldman, Dennis Hopper, Courtney Love, Christopher Walken, Tatum O’Neal, Willem Dafoe. Und weil es durchaus spannend ist, die ganzen Szeneklischees bedient zu sehen, wenn richtig gute Schauspieler sie transportieren. Der Hauptdarsteller spielt sich die Seele aus dem Leib und man fiebert mit bei seinem „rise and fall“. Eine wirklich exzellente Leistung. Und weil Julian Schnabel einem Künstler ein Denkmal gesetzt hat, der in den späten 80ern ständig diskutiert worden ist, heute jedoch im schnellen Lauf der angesagten großen Schauen in den trendigen Museen bestimmt nicht mehr häufig erwähnt wird. Der allerdings einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung geleistet hat, auch die außereuropäischen Tendenzen in der Kunst mitzubeachten. Es gibt wenig Schwarze in der Kunstszene und vor allem die haitianischen Wurzeln seiner Farbenexplosionen machen Basquiat zu einem Wegbereiter. (Kulturtussi)

Weitere Infos zum Film:
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Reviewdatum: 2. Juni 2006

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