Filmtagebuch
11. Februar 2008
Irina Palm
Rund 40 Jahre ist es her, dass Marianne Faithfull als glamouröses It-Girl der Swinging Sixties und als Geliebte von Mick Jagger Schlagzeilen in der Boulevardpresse machte. Mit dem Rolling-Stones-Song "As Tears go by" und weiteren Singles profilierte sie sich auch als Sängerin, wobei der Song "Sister Morphine" programmatisch für ihr tiefes Abgleiten in den Drogensumpf stehen mag. Ein Relikt dieser dunklen Zeit und etlicher Zigaretten ist ihre raue und tiefe Stimme, die den Stil ihrer späteren Alben prägte - am bekanntesten dürfte wohl "Broken English" sein, ihr Comeback-Album von 1979. Ihre Karriere als Filmschauspielerin blieb hingegen weitgehend unbemerkt, obgleich sie durchaus gewichtige Rollen innehatte, etwa die Ophelia in Tony Richardsons "Hamlet" von 1969 oder die Königinnenmutter Maria Theresia in "Marie Antoinette" von 2006.
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6. November 2006
Der Teufel trägt Prada
"Der Teufel trägt Prada" ist ein typisches "Hässliches Entlein wird zum stolzen Schwan"-Märchen, wobei Anne Hathaway, die sich als Star von "Plötzlich Prinzessin" in solchen Rollen gut auskennt, mit ihrem Aussehen dafür sorgt, dass es eher die "Stolzer Schwan wird zu besser gekleidetem stolzen Schwan"-Variante wird. Denn schon bei ihrem ersten Erscheinen in schlabberigem Studentenlook hat man eher den Eindruck, dass sie ihre Prada-Klamotten nur gerade in der Reinigung hat, als dass man ihr das Schluffige tatsächlich abnehmen würde. Abgesehen davon spielt sie sich mit hinreichendem Talent und noch mehr Charme durch eine Rolle, deren Entwicklung recht absehbar ist.
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25. August 2006
The Living Dead Girl
In der retrospektiven Betrachtung sieht sich der französische Regisseur Jean Rollin spätestens seit seinem bizarr abstrakten, symbolistischen Alterswerk "La Fiancée de Dracula" ("Draculas Braut") von 1999 längst befreit aus der reinen Euro-Trash- und (S)Exploitation
-Schublade. Seine Filme werden heute unter dem Gesichtspunkt des Autorenfilms einer Neubewertung unterzogen – eine Image-Entwicklung, die der des "New-Flesh"-Filmers David Cronenberg vergleichbar ist. Dass einige seiner oftmals schnell und billig abgekurbelten Werke wie der unsägliche "Le Lac des morts vivants" ("Sumpf der lebenden Toten", 1980) neue Tiefpunkte des Zombiefilm-Genres ausgelotet haben und er ferner zwecks Gelderwerb in den 70ern einige Pornofilme abdreht hat, wird ihm dabei gerne verziehen, zumal letztere bei Rollin stets unter der Flagge der linksgerichteten sexuellen Befreiung segelten.
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15. August 2006
Draculas Tochter
»Diese Musik erzählt von dunklen, von bösen Dingen, von Orten voller Schrecken!« (Sandor)
Immerhin fünf Jahre dauerte es, bis die Universal Filmstudios 1936 den Dracula-Stoff wieder aufnahmen, und, sicher ermutigt durch den Erfolg von "Frankensteins Braut" ein Jahr davor, beschlossen, auch den Vampirmythos um eine weibliche Variante zu bereichern. Hierzu griff man wieder auf Bram Stoker zurück: "Dracula's Guest"
war ursprünglich als Kapitel seines Dracula-Romans geplant, erschien aber dann doch als eigenständige Erzählung. Ferner finden sich im Film deutliche Anleihen an "Carmilla"
, eine Geschichte von Joseph Sheridan Le Fanu um eine lesbische Vampirin. Das Ergebnis kann man nur als äußerst gelungen bezeichnen: ein dynamisches filmisches Potpourri, welches dramatische Elemente um Fluch und Erlösung mit klassischen Motiven der Kriminalstory durchmischt und dabei auch der Komik viel Raum lässt.
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Posted by Julian von Heyl at 01:04 | Permalink | Kommentare (1) | Verweise (1)
8. August 2006
Dracula (1931)
»Hören Sie die Wölfe? Das sind die Geschöpfe der Nacht. Welch wunderbare Musik sie machen ...« (Dracula)
Die Handlung dürfte sattsam bekannt sein: Renfield, ein englischer Immobilienmakler, reist in die rumänischen Karpaten, wo er den Grafen Dracula, welcher ein Anwesen in England erwerben möchte, aufsuchen will. Im Dorf nahe des Schlosses sind die Bewohner entsetzt ob seines Vorhabens und warnen den fremden Reisenden. Der Wirt des Gasthauses weiß Bescheid: "Auf Draculas Schloss hausen Vampire! Dracula – und seine Frauen! Nachts werden sie oft zu heulenden Wölfen – oder zu Fledermäusen. Wenn die Sonne untergeht, dann kommen sie heraus aus ihren Särgen. Dann fallen sie über ihre Opfer her und trinken ihr Blut."
Posted by Julian von Heyl at 14:36 | Permalink | Kommentare (1)
21. Juni 2006
Der Leichendieb
»Durch Fehler und Irrtümer vervollkommnet sich der Mensch. Durch das Leid aber lernt er. Alle Wege der Erkenntnis beginnen in der Finsternis und führen zum Licht.« (nach Hippokrates – Texttafel im Filmabspann)
Finsternis und Licht. Licht und Schatten. "Wie ich es zeige, so ist es", hat Regisseur Robert Wise
(1914–2005) immer gerne gesagt. Aber er hat auch gesagt: "Ich habe immer den Schwarzweiß-Film bevorzugt, weil man – so anachronistisch das klingt – hier mehr Farbigkeit entwickeln kann. Stummfilme zeigen das besonders deutlich. Man spricht in der Filmgeschichte oft vom 'Rembrandtschen Schwarzweiß' und meint ganz einfach die verschiedenen Schattierungen von schwarz über verschiedene Graustufen nach weiß. Und das dient mehr der einfachen klaren Bildsprache als einer künstlerischen Forderung. Für mich ist die Wirklichkeit schwarzweiß."
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9. März 2006
Die verschlossene Tür
Die Story: Nach vielen Jahren kehrt Susanna Kelton (Carol Lynley), die inzwischen einen smarten und reichen New Yorker Verleger geheiratet hat, zusammen mit diesem an den Ort ihrer Kindheit zurück, ein kleines Fischerdorf auf einer englischen Insel. Hier ist sie in einer alten Mühle herangewachsen, die sie nun geerbt hat und die sich als recht schauerliche Grusel-Location entpuppt. Wobei wir bereits im Vorspann erfahren: Etwas Dunkles, Unheimliches, das schon das Kind Susanna bedrohte, wohnt im Speicher der Mühle, und letztlich ist es für sie auch Sinn der Reise, diese Kindheitstraumata aufzuarbeiten.
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Posted by Julian von Heyl at 23:21 | Permalink | Kommentare (0)
2. Dezember 2003
Das deutsche Kettensägenmassaker
"Das deutsche Kettensägenmassaker – die erste Stunde der Wiedervereinigung": Schlingensiefs blutige Abrechnung mit dem 3. Oktober 1990, die er mit seinem altbewährten Schauspielerstamm Brigitte Kausch, Alfred Edel, Volker Spengler, Karina Fallenstein, Susanne Bredehöft u.v.a. auf dem alten Thyssen-Industriegelände in Mülheim abgedreht hat, verbindet die Thematik der deutschen Wiedervereinigung mit der Trashkultur von Splatterfilmen.
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Posted by Julian von Heyl at 00:41 | Permalink | Kommentare (0)
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