Elchkritik
17. Januar 2008
Clowns sind böse
Wir wussten es schon immer: Clowns sind böse. Spätestens seit in den 70er und 80er Jahren die "Clownpower" eines Jango Edwards oder das "zärtliche Gefühl" eines Hermann van Veen zur letzten Wunderwaffe des dahinsiechenden Hippietums wurden, avancierte der Clown zum veritablen Feindbild der progressiven Kräfte, damals durch Punk und New Wave vertreten. "Gefährliche Clowns stehen am Straßenrand", warnte die Düsseldorfer Avantgarde-Popband Der Plan, und subversiv wurde das Kleinkunstidyll der Hippiefraktion nicht zuletzt dadurch unterwandert, dass die Clownsfigur sukzessive von den Horrorfilmfans annektiert wurde. Schließlich ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass das klassische Make-up des Clowns sehr gruselige Elemente beinhaltet: sei es die weiße Gesichtsfarbe, die an Leichen oder Zombies gemahnt, oder der blutrote Mund, der etwas Vampirisches hat.
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Posted by Julian von Heyl at 17:21 | Permalink | Kommentare (2)
12. Juli 2007
Warum nicht 20 Prozent auf Tiernahrung?
Der Slogan, das muss man neidlos anerkennen, ist einfach Kult, besonders in der gesprochenen Radio-Version: "20 Prozent auf alles!", tönt ein begeisterter Manfred Lehmann
, um dann, verlegen und hastig, wie's scheint, die allseits bekannte Einschränkung loszuwerden: "... außer Tiernahrung." Aber, und in der Rubrik Elchkritik muss diese Frage erlaubt sein, warum nicht 20 % auch auf die Tiernahrung? Warum kann man tonnenweise Parkettböden oder Blumenerde zu 80 Prozent des regulären Preises nach Hause schleppen, muss aber Hund, Katze oder Streifenhörnchen zum unreduzierten Volltarif ernähren? Das Echolog hat nachgefroscht nachgeforscht.
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Posted by Julian von Heyl at 18:10 | Permalink | Kommentare (3)
27. Oktober 2006
Der Trauerschwan und das Tretboot

Schwan (Cygnus atratus) und Schwan (human powered). Foto: dpa.
Der Trauerschwan zeichnet sich nicht nur durch seine schwarze Farbe aus, sondern auch durch seine streng monogame Einstellung in Sachen Liebe. Umso tragischer, wenn diese so offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist wie beim Trauerschwan "schwarzer Peter", der auf dem Aasee in Münster schon seit mehreren Monaten tiefe Zuneigung zu einem Tretboot in Schwanenform zeigt. Stets in dessen Nähe bleibend, verscheucht er wütend jeden, der sich dem Freizeitvehikel nähert, was dessen Verleiher mit einem weinenden und einen lachenden Auge sieht: Einerseits ist das weiße Schwanboot schwer zu vermieten, andererseits steigert es die Popularität des Bootsverleihers im Ganzen. Schon werden in Münster Kristallkugeln verkauft, die das ungleiche Paar in schneiender Winteridylle zeigen.
Der Tierliebe des Bootsverleihers ist es zu verdanken, dass diese Idylle auch tatsächlich nicht getrübt wird. Denn eigentlich sollte das Boot zum Winter hin aus dem See entfernt werden, um der Gefahr des Einfrierens zu begegnen. Nun ist es hingegen beschlossene Sache, dass das Paar gemeinsam in den Allwetterzoo von Münster umziehen darf. Durch Kanäle wird das Tretboot an den neuen Bestimmungsort gefahren, was den Trauerschwan sicher zum Mitkommen bewegen wird. Die Unterstützung eines Sponsors und ein Schwanenfonds der Stiftung Artenschutz stellen sicher, dass es dem Tier an nichts mangeln wird. Im Frühjahr können dann beide wieder in den Aasee zurückkehren.
Posted by Julian von Heyl at 16:24 | Permalink | Kommentare (0)
19. November 2005
IKEA und die Duzerei
Normalerweise freue ich mich ja immer auf den neuen IKEA-Katalog und blättere ihn gerne durch, um im Geiste meine Wohnung mit neuen Möbeln mit so klangvollen Namen wie LEKSVIK auszustatten. Doch wie entsetzt war ich, direkt auf den ersten Seiten gnadenlos geduzt zu werden: "IKEA feiert seinen 30. Geburtstag. Feier mit!" Das nicht etwa auf den Kinderseiten, nein, die meinen mich! Und auch, wenn auf manchen Seiten wieder Hoffnung auf eine würdige Anrede aufkeimt, etwa auf Seite 179 bei der Beschreibung des Weckers SLABANG ("Kreieren Sie Ihren persönlichen Weckerton"), handelt es sich nur um vereinzelte Siez-Ausrutscher, ansonsten herrscht der harsche Duz-Imperativ: "Schaff dir deinen Erfrischungsraum!", heißt es streng, und: "Mach dir Notizen!"
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Posted by Julian von Heyl at 12:09 | Permalink | Kommentare (12)
8. Juli 2005
Sie sind alle so dumm und ich bin ihr Chef
Als ich heute mal nachgeschaut haben, nach was die Leute suchen, wenn sie über Google zu korrekturen.de
kommen, war ich doch erstaunt und gleichzeitig amüsiert, dass nach der Eingabe von "Sie sind alle so doof und ich bin ihr Chef" das Forum von korrekturen.de an erster Stelle erscheint. Und tatsächlich erinnere ich mich, in einem Beitrag dieses einmal geschrieben zu haben. Aber, wie ich jetzt reuevoll einräumen muss, es handelte sich um eine Zitatverfälschung: Tatsächlich sagt nämlich der römische Anführer Strategus in "Asterix und die Goten" wörtlich: "Sie sind alle so dumm, und ich bin ihr Chef! (Schluchz)" Was an dem wunderschönen Eigentor-Impetus der Aussage natürlich nichts ändert.
Posted by Julian von Heyl at 13:34 | Permalink | Kommentare (5)
14. Februar 2004
Kombimenüs und Rabattcoupons
Neulich konnte ich ja auch mal wieder der Versuchung nicht widerstehen, das Thema Abendessen zügig und praktisch bei McDonald's
abzuwickeln - für wenig Geld lockte das Maximenü mit "noch mehr Auswahl" und dem Bild eines leckeren Gartensalats neben den Fritten.

Große Optionsvielfalt bei McDonald's.
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Posted by Julian von Heyl at 01:27 | Permalink | Kommentare (0)
13. Dezember 2003
Die Kritiker der Elche
Bislang hatte ich den bekannten Zweizeiler "Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche" immer Robert Gernhardt zugeschrieben - tatsächlich war es aber Bernstein. Anbei exklusiv und ungekürzt seine Erinnerungen:

Illustration von Hans Traxler.
ELCHE / SELBER WELCHE
Wie einem wie mir ein Zweizeiler wie der gelungen ist:
Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche.
In Erwägung, dass es nach so vielen Jahren an der Zeit sei, Rechenschaft abzulegen und mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen, tu ich das auch glatt. Die Leserinnen und Leser, die schon keine Ahnung mehr und genug damit zu tun haben, sich einen Reim auf Chernobil und Tschällendscher zu machen, sollen erfahren, wie's zu einem Zweizeiler kommen konnte - denn das ist Murphys Gesetz: Was passieren kann, passiert.
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Posted by Julian von Heyl at 08:40 | Permalink | Kommentare (16)
10. Dezember 2003
John Maxwell Coetzee: Nobelpreisrede
Gemein: Engländer entführen unsere Enten!
Mit wachsender Bestürzung habe ich heute die Nobelpreisrede von John Maxwell Coetzee
gelesen. Unter anderem ging es um Enten bei Lincolnshire:
"Das Sumpfland beherbergt auch viele andere Vögel, schreibt sein Mann, Enten und Stockenten, Krickenten und Pfeifenten. Um die zu fangen, züchten die Leute vom Sumpfland zahme Enten, die sie Lockenten nennen."
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Posted by Julian von Heyl at 02:42 | Permalink | Kommentare (1)
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