15. September 2004, Automobil:
Autos im Film
Bereits in den Anfängen des Kinos entdeckten Filmemacher das dynamische Potenzial des Autos: Es wurde in den ersten Stummfilmen eingesetzt, um schnelle Bewegtszenen zu realisieren - oder es wurde, als Reaktion auf das Misstrauen der Menschen gegenüber dem neuen Beförderungsmittel, reihenweise zu Schrott gefahren. Ob Komödie oder Road Movie: Bei vielen Filmen blieben die "mitspielenden" Autos mehr im Gedächtnis haften als die Hauptdarsteller.
Die Lust an der Zerstörung - Autos im Stummfilm
Ob Stan Laurel und Oliver Hardy, Buster Keaton, Harold Lloyd oder Fatty Arbuckle: Bereits in den Frühzeiten des Films gab das Auto vielen Slapstick-Szenen die besondere Würze. 1908 brachte Henry Ford sein bekanntes T-Model auf den Markt und 1912 gründete Mack Sennett die "Keystone Company", die sofort den Beinamen "amerikanische Lachfabrik" erhielt. Beide ergänzten sich aufs Beste, wie die Fülle der Automobil-Gags bezeugt. Halsbrecherische, meist im Zeitraffer gezeigte Stadtfahrten gehörten hierbei ebenso dazu wie die besonders kunstvolle Demontage der zumeist klapperigen Kisten. Unvergessen etwa die Laurel-&-Hardy-Episode "Big Business" von 1929, in der die beiden Komiker versuchen, im Juli Weihnachtsbäume zu verkaufen. Der sich anschließende Streit mit der totalen, liebe- und lustvoll in Szene gesetzten Zerstörung sowohl des Hauses des Kunden (James Finlayson) als auch Laurel und Hardys Auto (Foto) gehört zu den absoluten Klassikern der Komödie. Das Auto? Natürlich ein Ford Model T.
Erhöhung des Mythos - Das Auto als Alleskönner
Liebe zum Auto, das hieß in Hollywood in den 60er Jahren Liebe zum Käfer: Als "Herbie" (Foto) debütierte er 1968 in der Disney-Produktion "The Love Bug" ("Ein toller Käfer"), in den 70er Jahren folgten noch mehrere Fortsetzungen. Das Wunderauto konnte fliegen, schwimmen und hatte auch sonst allerlei Tricks drauf. Die Deutschen konterten mit "Dudu", einer Produktion von Rudolf Zehetgruber. Der vielseitige Käfer durfte zwischen 1971 und 1974 seine Künste zeigen. Ressourcenverknappung und Energiekrise waren noch Fremdwörter, der Mythos Auto wurde im Film hemmungslos überhöht. Gerne griff man dabei auch auf Phantasie-Vehikel zurück wie in dem englischen Musical "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" von 1968. Einer der letzten modernen Epigonen des Alleskönner-Autos ist schließlich KITT, der computerschlaue, vierrädrige Gefährte von "Knight Rider" David Hasselhoff. Es handelte sich übrigens um einen modifizierten Pontiac TransAm von 1982.
Was haben wir gelacht! Das komische Auto
Sicher einen der komödiantischen Höhepunkte der letzten Jahre hat Rowan Atkinson als "Mr. Bean" gegeben. Untrennbar von ihm ist sein gelber Mini (Foto), mit dem er so manches Abenteuer erlebt und immer wieder das "Widersacher-Auto" (ein dreirädriger Reliant-Lieferwagen) auf die Seite legt. Privat hatte Atkinson übrigens weniger Glück mit Autos: Der begeisterte Sportwagenfan fuhr im Herbst 1999 einen McLaren F1 zu Schrott, den er sich vom Erlös seines ersten Kinofilms gegönnt hatte - Wert: Immerhin ca. 1 Million Euro. Komische Autofilme deutscher Produktion schrammen hingegen traditionell eher am Rand der Peinlichkeit entlang, sei es die klamottige Ausschlachtung des Trabi-Kults in "Go Trabi Go" oder seien es die platten Manta-Filme. Da schaut man sich doch lieber nochmals die "Blues Brothers" mit ihrem "Bluesmobil", einem Dodge Monaco 440/Auto von 1974, an. So nebenbei gibt es in diesem Kultfilm die wohl größte Polizeiauto-Massenkarambolage der Filmgeschichte, noch vor einigen Jahren liebevoll zitiert in der französischen Komödie "Taxi Taxi".
Unendliche Weiten - das Auto im Road Movie
Eine typisch amerikanische Filmart ist das so genannte Road Movie: Filme, die von Fahrten, Fluchten, Reisen berichten und die unendlichen Weiten der amerikanischen Landschaften und Highways grandios in Szene setzen. Der amerikanische Traum von Freiheit, gewürzt mit mehr als einem Schuss Anarchie: Wegweisend für das Genre war "Vanishing Point" ("Fluchtpunkt San Francisco") von 1971. Kowalski (Barry Newman) wird bei seiner Überführung eines 1971er 1970er Dodge Challenger (Foto) von Denver nach San Francisco zum Gejagten. Ganz aufmerksame Autofreaks werden es vielleicht bemerkt haben: Der Wagen, der am Ende in den Bulldozer-Barrikaden der Polizei zerschellt, ist kein Challenger, sondern ein Chevrolet Camaro. Sicher eine der besten Adaptionen des Themas ist "Thelma & Louise" (1991), die - später oft kopierte - Geschichte zweier Frauen, die in eine ausweglose Outlaw-Existenz getrieben werden und schließlich mit ihrem 65er Ford Mustang 66er Ford Thunderbird Cabriolet über die Klippe fahren.
Das dämonische Auto: Christine & Konsorten
Können Autos böse sein? Definitiv beantwortet wurde die Frage 1983 durch John Carpenters "Christine", der Verfilmung von Stephen Kings gleichnamigem Roman. Bei dem dämonischen Auto, welches mordend mehr und mehr Macht über seinen Besitzer erlangt, handelt es sich um einen Plymouth Fury Belvedere von 1958 (Foto) - genauer gesagt um 17 liebevoll restaurierte Exemplare, von denen 15 im Laufe der Dreharbeiten wieder zerstört wurden. Einer der Wagen bestand aus einem speziellen Material, welches wie Metall aussah, aber in seine ursprüngliche Form zurückkehrte, nachdem man es verbeult hatte - es stand im Mittelpunkt einer der vielen spektakulären Spezialeffekt-Szenen, in der sich "Christine" selbst wieder repariert. Auch in Steven Spielbergs genialem Debüt "Duell" von 1971 steht die Bedrohung durch Technik im Vordergrund: Ein Handlungsreisender (Dennis Weaver) wird auf seiner Reise grundlos von einem mysteriösen Öl-Lastzug verfolgt und bedroht. Dieser scheint seine eigene Seele zu haben: Im Film wird nie der Fahrer gezeigt. Die automobilen Hauptrollen bestreiten ein Peterbilt Sattelschlepper aus den 40er 60er Jahren und ein 70er 71er Plymouth Valiant.
Phantasie- und Trash-Autos
Wo die Handlung zu abwegig oder zu sehr in die Zukunft gelegt ist, um auf zeitgenössische Automodelle zurückgreifen zu können, werden gerne die Phantasieprodukte der Filmausstatter eingesetzt: Man denke nur an den apokalyptischen Fuhrpark in "Mad Max". Auch in der schwarzen Komödie "Die Autos, die Paris auffraßen" (1974) von Peter Weir mutieren Autos zu Waffen: Die Bewohner des kleinen Orts Paris in Australien verursachen Autounfälle, um später die Restteile des Unfallwagens zu verschachern. Ein herrliches B-Movie mit besonders abwegiger automobiler Ausstattung ist schließlich "Death Race 2000" von 1975, in Deutschland unter dem Titel "Frankensteins Todesrennen" vertrieben. Die grottenschlechte Billigproduktion mit David Carradine in der Hauptrolle hat unterdessen fast Kultcharakter - was nicht zuletzt an den aggressiv-bissigen Spezialkarosserien (Foto) liegt, die in dem Streifen auftauchen und gegen die Batmans Batmobil (welches übrigens auf einem Chevrolet Impala aufbaut) wie ein braves Mittelklassewägelchen wirkt.
Posted by Julian von Heyl in Automobil at 15.09.04 12:00| Kommentare (11)
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Updated at 11.12.06 02:24
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Kommentare
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jess: |
hi,
ich bin grad auf euren bericht zu den filmautos gestoßen...schön gemacht, aber euch ist im letzten kapitel (phantasie autos...) ein kleiner fehler unterlaufen...das batmobil baut auf einem lincoln futura chassis auf, und nicht auf dem des chevy impala...nur mal so zur info...grüße, jess
Posted by jess at 21.02.06 01:37
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Julian: |
@jess (1): Du hast Recht, ich habe es noch einmal bei Wikipedia nachgeschlagen:

"Obwohl die Fahrzeuge für die Filme jeweils extra für diesen Zweck gebaut wurden, begann das wohl berühmteste Batmobil, das von der Fernsehserie, seine Existenz als Konzept für ein Auto namens Lincoln Futura, das etwa eine Decade früher gebaut wurde."
http://de.wikipedia.org/wiki/Batmobil![]()
Posted by Julian at 14.06.06 13:54
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Sandra: |
Hi,
kannst Du mir verraten, wie die Automarke heißt, die Carter (Kerr Smith)in dem Film Final Destination 1 fuhr? Es fällt soviel ich weiß unter die Kategorie musclecars. Bloß welche Marke? Ist es ein Ford Mustang oder ein anderes?
Ciao Sandra
Posted by Sandra at 26.07.06 16:49
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Julian: |
@Sandra: Meinen Recherchen nach handelt es sich um einen Chevrolet Nova SS. Da ich den Film nicht gesehen habe, kann ich Dir aber leider nicht das genaue Modell und Baujahr sagen.

Chevrolet Nova 1972.
Am meisten Ähnlichkeit mit einem "Muscle Car" hat die Baureihe der dritten Generation 1968-1974, siehe Foto. Weitere Infos zum Chevy Nova findest Du in der englischen Wikipedia:
http://en.wikipedia.org/wiki/Chevrolet_Nova![]()
Posted by Julian at 26.07.06 17:42
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Sandra: |
Vielen lieben Dank Julian,das hilft mir auf jeden Fall schon mal weiter! Cool:-)
Posted by Sandra at 27.07.06 00:47
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Dejan: |
Hi Julian!
Darf ich ein paar Angaben korrigieren? In Vanishing Point wird ein 1970er Dodge Challenger verwendet.
Im Buch Christine wird zwar von einem viertürigen 58er Plymouth Fury (S. King ist ein Fehler unterlaufen: in diesem Baujahr gab es den Fury nur als Zweitürer) gesprochen, im Film allerdings wird ein 58er Plymouth Belvedere (die billigere Version des Fury's) benutzt.
Bei Duell hast du dich um ein Jahr vertan - ist ein 1971er Plymouth Valiant. Bei dem Truck handelt es sich um ein 1960 Peterbilt Model 281.
Im Film Thelma & Louise spielt ein 1966er Ford Thunderbird die vierrädrige Nebenrolle.[/Klugscheißermodus] ;)
Gruß Dejan
Posted by Dejan at 11.12.06 02:02
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Julian: |
Hallo Dejan, jetzt bin ich aber baff, was da noch für Ungenauigkeiten drin waren. Ich glaube Dir einfach mal unüberprüft und habe den Artikel mit entsprechenden Hinweisen auf Deinen Kommentar korrigiert. Bleibt nur noch zu fragen, woher Du dieses erstaunliche Detailwissen hast!
Posted by Julian at 11.12.06 02:26
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Dejan: |
Hallo Julian,
bin im Sachen US-Cars intensiv unterwegs - und da gehört Vaninshing Point, Duell, Christine und Konsorten zur absoluten Pflichtlektüre! Bei dem Truck musste ich allerdings auch googlen gehen ;)
Gruß Dejan
Posted by Dejan at 11.12.06 12:47
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Marcel: |
Also mir fällt noch ein Filmauto ein. Der Ford Mondeo der in einem der aktuellen James Bond Filme verwendet wird.
Posted by Marcel at 10.08.07 20:14
10 |
André Bauer: |
Hallo zusammen!
Weiß jemand von Euch welches Auto Thimothy Hutton im Film "Stark" fährt?
Gruss André
Posted by André Bauer at 07.10.08 15:24
11 |
Julian: |
Einen 1966er Oldsmobile Toronado
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Posted by Julian at 07.10.08 15:31


