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Oktober 2007



5. Oktober 2007, Baukunst:

Ungers: Quadrat, Kreis und Dreieck

Wallraf-Richartz-Museum, KölnDas Quadrat gehört neben dem Kreis zu den Grundformen, denen ein hohes Maß an Demokratie innewohnt: In einem quadratischen oder kreisförmigen Saal gibt es kein vorne oder hinten, keine Stirn- oder Längsseite – respektive, es obliegt dann den Innenarchitekten, die Ausrichtung zu definieren. Wie kein anderer stand Oswald Mathias Ungers, der letzten Sonntag im Alter von 81 Jahren gestorben ist, für eine reduktionistische Formensprache, wandte in seinen Bauten konsequent klare geometrische Grundformen an. Damit stand er voll und ganz in der Tradition seines Lehrers und Mentors Egon Eiermann, bei dem er von 1947 bis 1950 an der Technischen Hochschule Karlsruhe studierte: Wohl das bekannteste Bauwerk von Eiermann ist die 1961 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin rund um die historische Turmruine, bei der die Formensprache der einzelnen Bauten – achteckig das Kirchenschiff, sechseckig der Turm, viereckig die Kapelle – in Verbindung mit den über 30.000 kleinen, quadratischen Glasfenstern in ehrfurchtgebietender Weise ins Sakrale transzendiert. Das Verdienst seines Schülers Ungers, der längst auch einfach als Trademark OMU ein Begriff ist, bestand darin, diese Formensprache aus Quadrat, Kreis und Dreieck, die letztlich eine Brücke zu glanzvollen deutschen Architekturzeiten von Werkbund und Bauhaus bildet, in die Jetztzeit weiterzuführen und mit fast starrköpfiger Konsequenz gegen alle Modeströmungen zu verteidigen.

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Posted by Julian von Heyl in Baukunst at 12:53 | Permalink | Kommentare (0)