Dezember 2003
31. Dezember 2003, Automobil:
Alfa Romeo Spider

Der von Pininfarina meisterhaft gestaltete Alfa Romeo Spider 1600, der im Frühjahr 1966 auf dem Genfer Salon als Nachfolger des Guilia/Guilietta-Spider vorgestellt wurde, geht auf einen bereits 1961 vorgestellten Prototyp namens "Spider Speciale 2 Posti Aerodinamico" zurück. Der "Duetto" getaufte Zweisitzer wurde mit seinen beachtlichen Fahrleistungen (109 PS, 180 km/h) und seinem günstigen Preis von umgerechnet 6.500 € schnell ein Erfolg.
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30. Dezember 2003, Automobil:
Amphicar

Mit von 1961 bis 1963 insgesamt 3.700 gebauten Exemplaren war das Amphicar sicher kein Bestseller, ist aber heute ein gefragtes Liebhaberstück: Immerhin handelt es sich um das erste und einzige zivile Schwimmfahrzeug, welches je in Serie gebaut wurde. Entwickler und geistiger Vater des Amphicar war Hanns Trippel, der bereits zu Vorkriegszeiten und dann auch im zweiten Weltkrieg Amphibienfahrzeuge entworfen hatte. 1960 fand er in der Firmengruppe Quand einen Partner, der sein Amphicar in den USA vertreiben wollte. Gebaut wurde es indes in Lübeck und in Berlin von der Berliner Firma DWM, die ansonsten eher auf U-Bahn-Waggons und die berühmten Berliner Doppeldeckerbusse spezialisiert war.
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29. Dezember 2003, Automobil:
Austin Mini

Die Geschichte der Entwicklung des Mini ist selbst schon Legende: 1957 traf sich Sir Alec Issigonis, damals Chefentwickler beim britischen Automobilkonzern BMC, regelmäßig zum Ideenaustausch in einem kleinen Restaurant. So kommt es, dass die ersten Konstruktionszeichnungen des Mini auf Servietten, Speisekarten und sogar Tischdecken überliefert sind. Mit seinem querstehenden Motor, dem Frontantrieb und den kurzen Karosserie-Überhängen nahm der Austin Seven, wie zuerst seine offizielle Bezeichnung war, das "Rezept" für moderne Kleinwagen um Jahrzehnte vorweg.
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27. Dezember 2003, Automobil:
BMW 507

Die Nachkriegsjahre waren für BMW alles andere als einfach. Das zu 60 Prozent zerstörte Werk konnte erst ab 1953 seine Serienproduktion wieder aufnehmen, etwa mit den großen, schwungvoll geformten, aber auch schon leicht veraltet wirkenden Limousinen 501 und 502. Als "Brot-und-Butter-Auto" kam nach einem Lizenzvertrag mit der italienischen Motorradfabrik Iso SpA die BMW Isetta hinzu, jenes von BMW selbst enthusiastisch als "Motocoupé" bezeichnete Minimalauto mit Fronttür, das mit ca. 160.000 hergestellten Exemplaren zum Volksschlager wurde. Erst im Herbst 1955 wurde mit dem BMW 507 wieder ein echter Sportwagen vorgestellt, den viele in direkter Nachfolge zum legendären BMW 328 von 1936 sahen. Schöpfer des Designs war der in Amerika lebende Albrecht Graf Goertz.
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26. Dezember 2003, Automobil:
Borgward Isabella

Wohl kaum ein anderes Auto symbolisiert in so starkem Maße das Wirtschaftswunder wie der - Verzeihung, "die" - erstmals 1954 vorgestellte Borgward Isabella. Als Nachfolger des Hansa 1500, seinerzeit der erste deutsche Wagen mit Ponton-Karosserie und fortschrittlicher Technik, überzeugte die Isabella mit einer Formgebung, die noch heute ihre stilistische Gültigkeit hat, wenn man von den dem Zeitgeschmack entsprechenden üppigen Chromverzierungen absieht. Der 1,5-l-Motor leistete 60 PS, was für akzeptable, wenn auch nicht berauschende Fahrleistungen reichte.
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23. Dezember 2003, Automobil:
Citroën 2CV

Pierre Boulanger, Generaldirektor von Citroën, hatte 1936 ziemlich genaue Vorstellungen, was die Landbevölkerung wollte: "Entwickelt mir ein kleines, sparsames und preiswertes Auto, das zwei Bauern in Stiefeln und 50 Kilo Kartoffeln oder ein Fäßchen transportieren kann." Doch es kam nur zu einigen Prototypen, dann verhinderte der zweite Weltkrieg die weitere Entwicklung. Erst 1948 wurde der Citroën 2CV auf dem Pariser Salon vorgestellt - und erntete zunächst fast nur Spott. War ein solch hässliches Entlein mit stoffbespannten Rohrsesseln, einer superelastischen Verbundfederung und einem luftgekühlten Minimalmotor mit 375 ccm und 9 PS überhaupt verkäuflich? Es war. Nicht nur der niedrige Preis überzeugte, sondern auch das großzügige Platzangebot und die Variabilität. Der "Döschwo" entpuppte sich schnell als Frankreichs wichtigster Beitrag zur europäischen Massenmotorisierung der Nachkriegszeit.
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22. Dezember 2003, Automobil:
Citroën DS

Der Citroën DS war die erste Nachkriegsentwicklung der Citroën-Werke und wurde erstmals auf dem Pariser Autosalon 1955 vorgestellt. Der Name DS stand dabei für Déesse ("Göttin"). Der DS (Fans sagen natürlich "die DS") besaß nicht nur eine aerodynamische, ungewöhnliche und für die damalige Zeit absolut futuristisch wirkende Karosserie, sondern glänzte auch durch zahlreiche technische Innovationen wie der hydropneumatischen Federung mit Niveauregulierung, einem hydraulisch geschalteten Getriebe, Servobremsen und -lenkung. Ein Jahr später wurde dem DS 19 der ID 19 zur Seite gestellt, der - technisch, optisch und in der Ausstattung abgespeckt - um 10 Prozent preiswerter angeboten werden konnte.
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21. Dezember 2003, Automobil:
Datsun / Nissan Z-Serie

In den späten 60er Jahren bot die Modellpalette von Nissan wenig Aufregendes: Die biederen, langweilig gestylten Mittelklassewagen Laurel oder Sunny stießen auf den Exportmärkten auf wenig Interesse. Doch mit dem Erscheinen des Datsun 240Z auf dem Automobilsalon von Tokio im Herbst 1969 änderte sich das schlagartig. Das äußerst gelungene Design mit der langen, nach vorne abfallenden Motorhaube und dem eleganten Schrägheck stammte von niemand Geringerem als dem Raymond-Loewy-Schüler Albrecht Graf Goertz, der 14 Jahre zuvor auch den BMW 507 gestaltet hatte. Doch vor allem überzeugte der Datsun 240Z, der in seinem Heimatland als Nissan Fairlady verkauft wurde, durch seinen günstigen Preis: 3.526 Dollar kostete er damals in den USA, wenig Geld für einen vollwertigen Sportwagen mit 6-Zylinder-Motor und 130 PS, der auch im Motorsport bald viele Siege einfuhr.
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20. Dezember 2003, Automobil:
Ford Model T

Der Ford Model T wurde erstmals im Oktober 1908 vorgestellt und sollte bis 1927 ca. 16 Millionen Mal gebaut werden - ein Rekord, der erst in den 70er Jahren durch den VW Käfer gebrochen wurde. Die Hauptmerkmale des Wagens wurden von Henry Ford selbst bestimmt: Er sollte ein robustes, einfaches und zuverlässiges Transportmittel werden, mit großer Bodenfreiheit, um auch auf den oft ungepflasterten ländlichen Straßen bestehen zu können. Sein Rahmen zeichnete sich durch hohe Stabilität aus, was durch die Verwendung von Vanadiumstahl erreicht wurde. Der 20 PS leistende Motor (2,9 l) war ebenfalls sehr robust und solide und sorgte in Verbindung mit der 2-Gang-Pedalschaltung für durchaus zufriedenstellende Fahrleistungen und eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 72 km/h.
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19. Dezember 2003, Automobil:
Ford Taunus 17 M

Unter dem Slogan "Linie der Vernunft" stellte Ford 1960 den Ford Taunus 17 M der zweiten Generation (= P3) vor, und tatsächlich wirkte der neue Mittelklassewagen im Vergleich zum kantig geformten "Barocktaunus"-Vorgänger geradezu revolutionär. Die Front mit den nach oben gerundeten, in die Blinker übergehenden Stoßstangen und den vertieft angebrachten, ovalen Scheinwerfern, die im Heckabschluss ihr designerisches Gegenstück fand, trug dazu ebenzu bei wie die sphärisch gewölbte Windschutzscheibe und die insgesamt glatten und gerundeten Formen. Diese brachten dem neuen Modell zwar schnell den Spitznamen "Badewanne" ein, bewirkten aber auch einen sehr guten Luftwiderstandsbeiwert von 0,40 und damit einen bei fast unveränderter Motorisierung sehr viel günstigeren Benzinverbrauch - darüber hinaus war er in der Anschaffung mit damals 6.800 DM sogar preiswerter als der P2.
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18. Dezember 2003, Automobil:
Jaguar E-Type

Jaguar E-Type Serie 1 (Foto © Vintage Classics
)
Der Jaguar E-Type wurde erstmals 1961 als Nachfolger der XK-Serie vorgestellt und polarisierte mit seiner extravaganten Form sofort die Geschmäcker. Designer Malcolm Sayer hatte dem neuen Sportwagen eine superlang gestreckte, von Kritikern auch als "phallisch" gerügte Motorhaube verpasst, die mit der vergleichsweise steilen Windschutzscheibe und der kleinen Fahrerkabine stark kontrastierte. Schon von Anfang an gab es den E-Type sowohl als Coupé (FHC = Fixed Head Coupe) als auch als Cabrio (OTS = Open Two Seater). Zu einem vergleichsweise günstigen Preis bot er mit seinem 6-Zylinder-Motor (265 PS) atemberaubende Fahrleistungen mit mehr als 240 km/h Höchstgeschwindigkeit, für die es allerdings aufgrund der eher mäßigen Straßenlage und Bremsen einiges an Wagemut bedurfte.
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17. Dezember 2003, Automobil:
Mercedes-Benz 300 SL

Die Geschichte des 300 SL (die interne Werksbezeichnung lautete W198, "SL" steht für "Sport leicht") begann 1951, als Mercedes-Benz beschloss, wieder in den Motorsport einzusteigen. Die ersten Rennsporterfolge stellten sich auch schnell ein, schon 1952 gewann Mercedes-Benz mit dem 300 SL den Sieg bei der Mille Miglia zwischen Brescia und Rom sowie beim großen 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Die Serienversion wurde indes erst 1954 in New York vorgestellt, sein Sechszylinder-Reihenmotor leistete mit der serienmäßigen Benzineinspritzung 215 PS. Die spektakulären Flügeltüren (von den Amerikanern "Gullwing" genannt) wurden übrigens nicht wegen des Show-Effekts eingebaut, sondern sie wurden notwendig aufgrund des aufwendigen, aus geschlossenen Dreiecken zusammengesetzten Gitterrohrrahmens, der seitlich sehr hoch verlief.
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16. Dezember 2003, Automobil:
MG B

Im Bereich der 2-sitzigen Sportwagen und Roadster kann Morris Garages, besser unter dem Kürzel MG bekannt, auf eine langjährige Tradition zurückblicken: Legendär sind der MG Midget von 1924, der MG TD von 1949 oder der MG A von 1955. Während letzterer noch mit eher barocken und geschwungenen Formen aufwartete, präsentierte sich der Nachfolger MG B auf dem Londoner Salon 1962 in moderner, selbsttragender Bauweise mit horizontal durchgezogener Gürtellinie und einer klaren Formensprache. Kurbelfenster und mehr Kofferraum machten den Roadster zum alltagstauglichen Fahrzeug. Der MG B hatte einen 1,8-l-Motor (4-Zylinder), der 95 PS leistete - die den leichten 2-Sitzer auf bis zu 170 km/h beschleunigten. Schon bald konnte der MG B auch mit verschiedenen Hardtops werksseitig oder von Drittanbietern - mehr oder weniger - wintertauglich gemacht werden.
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15. Dezember 2003, Automobil:
NSU Ro 80

Der Ende August 1967 vorgestellte NSU Ro 80 war in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes und revolutionäres Fahrzeug. Er wurde angetrieben durch einen Zweischeiben-Wankelmotor mit 995 ccm, der in Leistung etwa einem herkömmlichen 2-Liter-Motor entsprach und 115 PS mobilisierte. Der von Felix Wankel entwickelte Motor übertrug seine Kraft über eine selektive Getriebeautomatik mit hydrodynamischem Drehmomentwandler und handgeschaltetem, vollsynchronisiertem 3-Gang-Getriebe auf die Vorderräder. Vorteil des Antriebskonzepts war ein sehr ruhiger Motorlauf - allerdings erwies sich der Motor als relativ anfällig.
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14. Dezember 2003, Automobil:
Opel GT

Eine Art Vorpremiere erlebte der Opel GT als "Experimental-GT" bereits 1965 auf der Frankfurter IAA und sorgte dort für eine Menge Aufsehen: Dieser schnittige, aufregend geformte Sportwagen war alles andere als das, was man von einem Großserienhersteller wie Opel erwartet hätte. Das Styling folgte dem in den USA geprägten "Coke Bottle Shape" und erinnerte nicht unzufällig an die Chevrolet Corvette, wenn auch sehr viel bescheidener dimensioniert. 1968 war der Traumwagen zum Serienfahrzeug gereift: Bei der Technik griff man dabei auf Bewährtes zurück - der GT hatte den Unterbau vom Opel Kadett mit vorderen Trapez-Dreieckquerlenkern und hinterer Starrachse. Lediglich der Motor war um 30 cm nach hinten versetzt worden, was dem GT hervorragende, einem Mittelmotor-Sportwagen vergleichbare Fahreigenschaften bescherte. Die charakteristischen versenkbaren Scheinwerfer wurden übrigens nicht hochgeklappt, sondern mechanisch durch Drehung ausgefahren.
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13. Dezember 2003, Elchkritik:
Die Kritiker der Elche
Bislang hatte ich den bekannten Zweizeiler "Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche" immer Robert Gernhardt zugeschrieben - tatsächlich war es aber Bernstein. Anbei exklusiv und ungekürzt seine Erinnerungen:

Illustration von Hans Traxler.
ELCHE / SELBER WELCHE
Wie einem wie mir ein Zweizeiler wie der gelungen ist:
Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche.
In Erwägung, dass es nach so vielen Jahren an der Zeit sei, Rechenschaft abzulegen und mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen, tu ich das auch glatt. Die Leserinnen und Leser, die schon keine Ahnung mehr und genug damit zu tun haben, sich einen Reim auf Chernobil und Tschällendscher zu machen, sollen erfahren, wie's zu einem Zweizeiler kommen konnte - denn das ist Murphys Gesetz: Was passieren kann, passiert.
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12. Dezember 2003, Automobil:
Opel Kadett

Für den Opel Kadett, der im August 1962 vorgestellt wurde, bauten die Opel-Werke in Bochum eigens eine neue Fabrik für eine Milliarde Mark. Schließlich waren hohe Erwartungen an den Kleinwagen geknüpft, sollte er doch dem VW Käfer das Feld streitig machen. Und schon bald rollten rund 1.000 Exemplare täglich von den neuen Bändern. Der kantige kleine Opel brachte zwar keine großen technischen Innovationen mit sich, aber ein großzügiges Raumangebot, gepaart mit dem schier unverwüstlichen 1-Liter-Motor (40 PS), machten den Kadett schnell zum beliebten "Brot-und-Butter-Auto". Immerhin fast 650.000 Exemplare kann Opel in den ersten Jahren vom Kadett A, den es auch in einer "Caravan" genannten Kombiversion gab, absetzen, bis er 1965 vom moderneren und insgesamt stattlicheren Kadett B abgelöst wurde. Diesen gab es auch in einer Opel Olympia genannten Luxusvariante, der allerdings kein großer Erfolg beschert war.
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11. Dezember 2003, Automobil:
Porsche 911

Der Porsche 911, der auf der Internationalen Automobilausstellung 1963 in Frankfurt seine Premiere feierte, stellte mit seiner zeitlosen und eleganten Form einen wesentlichen Entwicklungssprung gegenüber dem bauchigen, noch sehr an Käfer-Technik und -Form angelehnten Vorgängermodell 356 dar. Sein einziger Haken: Mit damals 21.900 DM war er vielen viel zu teuer. Deshalb wurde ihm schnell als "Einstiegsmodell" der 912er für 16.250 DM zur Seite gestellt, optisch praktisch identisch, aber mit dem alten Vierzylindermotor des 356 (90 PS) im Heck.
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10. Dezember 2003, Elchkritik:
John Maxwell Coetzee: Nobelpreisrede
Gemein: Engländer entführen unsere Enten!
Mit wachsender Bestürzung habe ich heute die Nobelpreisrede von John Maxwell Coetzee
gelesen. Unter anderem ging es um Enten bei Lincolnshire:
"Das Sumpfland beherbergt auch viele andere Vögel, schreibt sein Mann, Enten und Stockenten, Krickenten und Pfeifenten. Um die zu fangen, züchten die Leute vom Sumpfland zahme Enten, die sie Lockenten nennen."
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9. Dezember 2003, Musik:
Metro
Und wieder ein Album aus der Reihe "Kultalben der 70er". Wobei hier mit Kultalben nicht die Massenware von einst gemeint ist, die einem heute unter diesem Etikett allerorten angedreht wird, sondern rare Pretiosen, die schon damals nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekamen. Metro ist ein typisches Beispiel dafür. Zwei auf Regie-Stühlen sitzende Dandys setzten sich mit diesem frankophilen Band- und Albumnamen 1976 zwischen alle Stühle, kontinentale Eleganz in einer androgynen Zeit, und produzierten ein Album, welches zeitlos und bestechend schön wie ein Monolith aus der Popgeschichte hervorragt.
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8. Dezember 2003, Automobil:
Renault 4

Als der Renault 4 im Jahre 1961 den sehr populären, knuffig rundlich gestalteten 4CV ablöste, war die Fachpresse zunächst entsetzt: Eine dermaßen zweckmäßig geformte "Kiste" passte gar nicht in den Stil der Zeit. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, dass sich der praktische Kleinwagen bis 1992 in aller Welt mehr als 8 Millionen Mal verkaufen sollte und einen Kultstatus erlangen sollte, der dem des Citroën 2CV in nichts nachsteht. Der R4, wie er bald nur noch kurz genannt wurde, hatte technisch einiges zu bieten: 750-ccm-Motor mit Frontantrieb, Einzelradfederung, ein wartungsfreies Kühlsystem, und natürlich nicht zu vergessen die für die damalige Zeit ungewöhnliche, praktische Heckklappe, die den R4 in Verbindung mit der herausnehmbaren hinteren Sitzbank zum Transportkünstler machte.
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7. Dezember 2003, Automobil:
Trabant

Die Ursprünge des Trabant gehen auf die Nachkriegszeit zurück, als die DDR verschiedene Produktionsstätten zusammenschloss und verstaatlichte: Die ehemaligen Werke Audi und Horch wurden in die VEB IFA, später in die VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau umgewandelt. Nach mehreren Entwicklungsjahren startete die Serienproduktion des Trabant mit Kunststoffkarosserie am 10. Juli 1958. Der Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 500 ccm und 18 PS wurde bereits zwei Jahre später in seiner Leistung auf 20 PS angehoben, außerdem kam eine Kombilimousine hinzu.
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6. Dezember 2003, Automobil:
Tucker Torpedo

Preston Tucker
, ein genialer Tüftler, stellte den ersten Prototyp seines Tucker Torpedo bereits Ende 1946 vor. Das sowohl optisch als auch technisch radikale Konzept - raketenförmig auslaufendes Heck, 9,6-Liter-Motor (!) - wich 1948 einer etwas gemäßigteren Version, die aber immer noch alles in den Schatten stellte, was die amerikanische Automobilindustrie zu dieser Zeit zu bieten hatte. Den Antrieb besorgte nun ein im Heck eingebauter 5,5-Liter-Motor mit 6 Zylindern und 168 PS Leistung, die Kraft wurde hierbei von einem 4-Gang-Getriebe mit elektromagnetischer Vorwählung und Flüssigkeitskupplung übertragen. Auch das Fahrwerk nahm mit Einzelradaufhängung und Torsionsstabfederung Zukunftsmerkmale vorweg.
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4. Dezember 2003, Automobil:
VW Golf

Im Jahr 1974 steckte der Volkswagen-Konzern in der Krise: Die Taktik, allein auf den Käfer und seine Derivate mit luftgekühltem Heckmotor zu setzen, hatte sich endgültig als Sackgasse erwiesen. Das zu dieser Zeit noch produzierte Modell 411 floppte und wurde vom Volksmund wegen seiner unausgewogenen Proportionen als "Nasenbär" veralbert. Der VW Golf - sein Entwurf stammte vom italienischen Autodesigner Giorgio Giugiaro, der z.B. auch den Alfasud für Alfa Romeo entwickelt hatte - entpuppte sich hingegen auf Anhieb als Kassenschlager: Der pragmatische Ansatz und die klaren, zweckmäßigen Linien passten absolut in den Stil der Zeit. Bereits in den ersten 27 Monaten verkaufte er sich über 1 Million Mal und begründete mit quer eingebautem Frontmotor, kompakten Formen und Heckklappe eine ganz neue Wagenklasse - die Kompaktklasse, die auch heute noch als "Golfklasse" bezeichnet wird.
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3. Dezember 2003, Automobil:
VW Käfer

1934 beauftragte die Reichsregierung den damaligen Reichsverband (RDA) Porsche mit der Konstruktion eines weniger als 1000 Mark kostenden Großserienautos. Zwei Jahre später, im März 1936, stellte Dr.-Ing. h.c. Ferdinand Porsche einer Kommission die ersten beiden Prototypen vor. Für den "KdF-Wagen" wurde nicht nur ein eigenes Werk, sondern gleich eine eigene Stadt für die Automobilarbeiter gebaut - heute Wolfsburg. Doch bei Fertigstellung des Werks 1939 wurden Rüstungsgüter dringender gebraucht als ein "Wagen fürs Volk" - und die ersten 70.000 Volkswagen verließen als Kübel- und Schwimmwagen das Werk.
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2. Dezember 2003, Filmtagebuch:
Das deutsche Kettensägenmassaker
"Das deutsche Kettensägenmassaker – die erste Stunde der Wiedervereinigung": Schlingensiefs blutige Abrechnung mit dem 3. Oktober 1990, die er mit seinem altbewährten Schauspielerstamm Brigitte Kausch, Alfred Edel, Volker Spengler, Karina Fallenstein, Susanne Bredehöft u.v.a. auf dem alten Thyssen-Industriegelände in Mülheim abgedreht hat, verbindet die Thematik der deutschen Wiedervereinigung mit der Trashkultur von Splatterfilmen.
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1. Dezember 2003, Medienwelt:
Netzrauschen


»Das globale Dorf ist das letzte Mausoleum des Menschen ...«
Das Rauschen ist überall. Die Kommunikationsartillerie erzeugt Querschläger, die, endlich befreit von Sinn und Konnotationen, nur Uneigentliches säen, begründen, verfestigen. Tentakelgleich wächst babylonisches Sprachgewirr in alle Richtungen, löst Zusammenhänge auf – der innere Halt ist nur noch die File Allocation Table, jener strukturierte Code, der einen Computer eine Datei als eine Datei erkennen lässt, auch wenn sie längst – monströs gewachsen – wie Baumpilz an verschiedenen Stellen der Festplatte klebt. Keine Chance, dem permanenten Raunen und Rauschen zu entrinnen, zu spät für altherrschaftliche Stellungnahmen, die Geschwindigkeit des Austausches lässt kein Rechtgeben mehr zu, das dem Rechtgeben immanente Rechthaben, über das Recht verfügen schließt Verständnis zwingend aus – die Buchstabenansammlungen lassen Menschen hinter ihnen vermuten, Menschen greifen nach mir, ich greife nach ihnen, lasse das gesammelte Output auf den Datenträgern paradieren, stets gewillt, Querverweisen in unwegsame Gebiete zu folgen. Das Rauschen des Mainstream beleidigt mein Ohr, Seitenflüsse werden zu Sümpfen, in denen trübe die Replys versinken, Was meint der? die Meinung, ein Relikt aus der vorvernetzten Zeit, ist die Startrampe zum Missverständnis, zu kleinen, irisierenden Irritationen im Treppab der Zeilen. Der schreibende Mensch als nach allen Seiten geöffnetes Medium, von in die Tastatur tröpfelnder Semantik durchspült und entleert. Ich bin der Meinungsvampyr. Ich sauge, download request on, ordne, katalogisiere, vernichte Intentionen, vernichte den Menschen. Der Mensch ist nicht mehr da, vernichtet im Sperrfeuer, aufflackernd noch einmal im letzten Aufbäumen der Identitätsstiftung durch die Sammlung, durch das Habenwollen von Dir, von anderen, jagend das Weltdenken und betrauernd das erlegte Wild. Das Rauschen nimmt nur zu, erzeugt Kopfschmerzen, neue Texte ins System werfen, die Kopfschmerzen bekämpfend, ich! ich! ich! schreiend: fucking up the differences. Das globale Dorf ist das letzte Mausoleum des Menschen, meterdicke Wände, bis schließlich das allerletzte Rauschen verebbt. Wir hören es nicht mehr.

(Text von 1993)
Posted by Julian von Heyl in Medienwelt at 23:12 | Permalink | Kommentare (0)


