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November 2003



30. November 2003, Musik:

Brian Eno: Before and after Science

Brian Eno: Before and after ScienceDie Frage nach dem besten Album verbietet sich bei Brian Eno schon durch die Vielseitigkeit seines Schaffens, das von den schrägen Glamrock-Experimenten seiner Zeit als Mitglied von Roxy Music über ziselierte Pop-Miniaturen in "Another Green World" bis hin zu seiner wegweisenden Ambientmusik alle zeitgenössischen Spielarten von Pop und E-Musik abdeckt.

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29. November 2003, Musik:

The Fall: The Frenz Experiment

The Fall: The Frenz ExperimentDie unerträgliche Endlosigkeit des Gitarrenriffs: diejenigen, die The Fallneues Fenster nur von den enthaltenen "Hits" wie "Victoria" oder "Hit The North" kennen, werden von dieser CD mit Sicherheit enttäuscht sein. Marc E. Smith lässt konsequent die alte Sperrigkeit wieder aufleben, die Alben wie "Perverted By Language" auszeichnete, und nagelt die ohnehin schon wie herrische Tagesbefehle auf den Hörer einstürmenden Songs mit einem Sprechgesang zu, der selten bellender und bissiger war.

Deutlich hörbar und angenehm auffallend ist die Abwesenheit von Produzent John Leckie, der den vorigen Fall-Alben das aufzwang, was er wohl unter dem "typischen Fall-Sound" verstand; hier hingegen scheint überhaupt nur wenig produziert worden zu sein, vieles wirkt skizzenhaft, wie gerade mal im Wohnzimmer heruntergespielt. Vor allem Bass und Schlagzeug sind es, die mit ihrem wilden Stakkato-Tanz alles andere gegen die Wand drücken: rau und mächtig kommt diese Musik einher, statisch wie in Fels gehauen und gleichzeitig aufwühlend, wobei die Stakkati der Band wie stets als präzise Stichwortgeber für Smiths manische Monologe funktionieren. Die pure Energie. Das vielleicht beste Album der gegen alles und jeden idiosynkratischen Kultband aus Manchester.

The Fall: The Frenz Experiment
CD, 1988, Beggars Banquet / SPV

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28. November 2003, Musik:

The Fall: Middle Class Revolt

The Fall: Middle Class RevoltDie Endlosigkeit des Riffs: Bei "Middle Class Revolt" handelt es sich um das 18. Album von The Fallneues Fenster, und es ist innerhalb des Fall-Œuvres vielleicht das dichteste, kompakteste und überzeugendste Werk. Der zynische Outcast Marc E. Smith (man stelle sich eine Mittelklassenrevolte vor: Ha ha) fühlt sich inmitten seiner fallesken Gitarren hörbar zu Hause, die ihre rekursiven Monotonismen nur durch lustige Pfeif- und Schrillgeräusche auflockern lassen, welche an den bewusst naiven Synthesizer-Einsatz von Bands wie Pere Ubu erinnern.

Insgesamt ist das Werk in einer Art und Weise gut produziert, als hätte man sich viel Mühe gegeben, die Anwesenheit eines Produzenten zu verschleiern (tatsächlich hat die Band gleich drei bemüht). The Fall bestätigen mit "Middle Class Revolt" explizit ihren absoluten Ausnahme-Status innerhalb des Popgeschehens, "immer anders, immer gleich", wie John Peel zu sagen pflegte, und immer aufregend und zeitlos gültig.

The Fall: Middle Class Revolt
CD, 1994, Permanent Records / Intercord

"The Fall: Middle Class Revolt" bei eBay

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27. November 2003, Buchkritik:

Ulrich Hölzer: E zählung

Ulrich Hölzer: E zählungKindheit und Kulte: Kölner Autor beim Umschleichen der Wirklichkeit: Ulrich Hölzers "E zählung".

Als Korrektor, das kenne ich auch, ist man ja nur so eine Art Besenschwinger in den Texten der anderen, was einen Minderwertigkeitskomplex erzeugt, den man letztlich nur durch Schreiben von Büchern kompensieren kann. Ulrich Hölzer ist ebenfalls Korrektor und baut bereits in den Titel seines Buches einen Fehler ein (Wo ist das "r"?). Tatsächlich geht es in der "E zählung", die eigentlich eher eine Loseblattsammlung von kleineren Texten und Reflexionen ist, am Rande auch um den Jaguar Typ E, "dieses schockgefrorene automobile Spermium". In der Hauptsache aber geht es ums Köln der 80er Jahre, um Computer, um die Tücken des Sich-Verliebens, ums Nachtleben, um Kneipen wie das Sixpack, und, immer wieder, um Ulrich Hölzer, der als allgegenwärtiger, sanftmütiger E zähler (namenlos, oder als "Pelzer" mehr geoutet als getarnt) einen nicht enden wollenden Monolog teils aufnimmt und weiterführt, teils auch immer wieder abgleiten lässt auf andere Ebenen, auf eine Meta-Ebene etwa, wo Sprache nur noch als Selbstzweck artikuliert wird und gleichzeitig sich selbst in Frage stellt.

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27. November 2003, Buchkritik:

Axel Gronen: PC Underground - eBay Dirty Tricks

ebay_dirty_tricks.jpgAxel Gronen muss man sich als jemanden vorstellen, der den Dingen gerne auf den Grund geht. So wich auch seine zunächst spielerische Beschäftigung mit dem Phänomen eBay mehr und mehr einem systematischen Eifer, das bekannte Online-Auktionshaus wirklich bis in seine entlegensten Winkel und Ecken zu erkunden. Wichtigste Entdeckung war dabei die Tatsache, dass eBay mit einem Wortfilter arbeitet, welcher in den Suchergebnissen beispielsweise Angebote unterdrückt, in deren Titel das Kürzel "ns" enthalten ist. Dies mag vielleicht den verbotenen Handel mit NS-Devotionalien eindämmen, unter den Tisch fallen aber auch seriöse Angebote mit historischen Fachbüchern über die Nazizeit und sogar Angebote von Grafikkarten, in denen "ns" für die Schnelligkeit in Nanosekunden steht.

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25. November 2003, Buchkritik:

Tom Wolfe: The Electric Kool-Aid Acid Test

Tom Wolfe: The Electric Kool-Aid Acid TestAmerika der frühen Sechziger: LSD-Experimente, San Francisco, Blumenkinder. Und eine Busreise, wie es sie nie zuvor gegeben hat und nie mehr geben wird: 1968 beschrieb der Journalist Tom Wolfe die legendäre Reise von Ken Kesey und seinen "Merry Pranksters" in seinem "Electric Kool-Aid Acid Test". Ein Buch, welches längst als "Neues Testament der Hip-Mythologie" gilt.

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24. November 2003, Buchkritik:

Albert Goldman: John Lennon - Ein Leben

Er hat einige der besten Songs der Rockgeschichte geschrieben und war gefürchtet als jähzorniger Schläger. Die Biographie von Albert Goldman befasst sich vor allem mit den Schattenseiten von John Lennon.

Albert Goldman: John Lennon - Ein LebenDas letzte Foto von Lennon ging Ende 1980 durch alle Zeitungen und ist vielen unauslöschbar in Hirn und Herzen haften geblieben: John Lennon, die markante Adlernase spitzer denn je, das Haar wie zu seinen Rock'n'Roller-Zeiten nach hinten gekämmt, signiert seinem Mörder Mark David Chapman "Double Fantasy", Lennons letzte Schallplatte. Unterdessen sind fast zehn Jahre vergangen, und längst thront Lennon hoch oben im Himmel der ewigen Pop-Idole, direkt neben Janis Joplin, Jim Morrison, Brian Jones, Jimi Hendrix und einigen mehr. Kann man ihn dort nicht einfach in Frieden ruhen lassen? Anscheinend nicht. Der ehemalige Englischprofessor Albert Goldman, der auch schon Elvis Presleys Leiche fledderte, lässt kaum ein gutes Haar an dem berühmten Pilzkopf.

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23. November 2003, Buchkritik:

Brian Moore: Die einsame Passion der Judith Hearne

Brian Moore: Die einsame Passion der Judith HearneEinfühlsame Fallstudie und Manifest der Verzweiflung: Brian Moores 1955 entstandener erster Roman "Lonely Passion Of Judith Hearne" hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt.

"Das erste, was Miss Judith Hearne in ihrem neuen Logis auspackte, war die Fotografie ihrer Tante im Silberrahmen." Zum Foto der Tante kommt das Bild von Herz Jesu. Der Eindruck spießig-behaglicher Geborgenheit bricht erst zwanzig Seiten später zum ersten Mal, beim morgendlichen Blick in den Spiegel: "Trügerisch verwandelte ihr Blick sie gemäß ihrer Vorstellung, veränderte den Umriss ihres fahlhäutigen Gesichts, bildete geschickt die lange spitze Nase um, an der eine kleine kalte Träne hing. (...) Ihr Körper, reizlos wie ein billiger Kleiderständer, füllte sich jetzt mit weichen Rundungen aus, entwickelte eine zarte Linie zum Busen hin. Sie betrachtete den Spiegel, eine reizlose Frau, die sich zur köstlichen Illusion von Schönheit verwandelte."

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22. November 2003, Buchkritik:

Barbara Vine: Die im Dunkeln sieht man doch

Barbara Vine: Die im Dunkeln sieht man dochIn ihrem Roman "Die im Dunkeln sieht man doch", für den sie 1986 den Edgar-Allan-Poe-Preis erhielt, beschreibt Barbara Vine - vielen besser bekannt als Ruth Rendell -, die Lebensgeschichte von Vera Hillyard, einer der letzten Frauen, die in England gehenkt wurden. Minutiös seziert Barbara Vine die Entwicklung einer Frau, deren Netz aus ritualisierten Lebenslügen nur noch Mord als Ausweg zulässt.

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21. November 2003, Musik:

Talking Heads: Naked

Talking Heads: NakedIn Paris aufgenommen, präsentiert sich das letzte reguläre Studio-Album der Talking Heads "Naked" als Konzept-Album mit einer funkig-treibenden und einer ruhigeren Seite. Die Funk-Stücke erreichen zwar trotz oder gerade wegen der Riesenbesetzung von 12-15 Musikern pro Stück nie die Intensität des acht Jahre zuvor entstandenen, wegweisenden Albums "Remain In Light", ergeben aber einen spannungsgeladenen Background für David Byrnes charakteristischen Gesang.

Wie bei "Remain in Light" unterscheidet sich die zweite (LP-)Seite konzeptionell erheblich: Die Stücke wirken geschlossener und prägnanter. Ob das abrechnende "The Facts Of Life" ("We are programmed happy little children") oder die Einwandererballade "Mommy Daddy You And I", hier gibt es wieder Songstrukturen mit Schwung, Biss und lakonisch-zynischen Texten. B-Seiten-typisch finden sich hier auch düster-elegische Kompositionen, in denen die fröhliche Weltmusik von Seite A majestätisch zu Grabe getragen wird.

Talking Heads: Naked
CD, 1988, EMI

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19. November 2003, Musik:

Devo: Total Devo

Devo: Total Devo"15 digital cartoons from the de-evolution band": Kann so etwas retrospektiv besehen noch zeitgemäß sein? Es kann: auf eine sehr merkwürdige, konsequent alle popmusikalischen Neuerungen der letzten 15 Jahre missverstehende und leugnende Art kann es das. In Kalifornien gehen die Uhren sowieso anders. "Total Devo" ist genial pompöse, schrill überzogene Aufgeblasenheit: Wir stehen vor dieser Musik ähnlich peinlich fasziniert wie vor einer Frau, die sich zu stark geschminkt hat. Man höre sich nur die vollkommen bescheuerte Cover-Version von Presleys "Don't Be Cruel" an, oder das komplett überdreht hysterische "Agitated".

Devo legen hier einen durch völlige Überproduktion zum Monster mutierten 82er New-Wave vor und wiederholen damit von der Vorgehensweise das, was The Clash 1985 mit "Cut The Crap" gemacht haben: die eigenen Verdienste durch die Technik-Mangel drehen. Im Gegensatz zu letzteren aber mit bedeutend mehr Humor. So langt es gerade noch zum positiven Resümee, denn natürlich kommt dieses Werk noch nicht einmal in die Nähe der Genialität des von Brian Eno produzierten Erstlings "Are We Not Men? We Are Devo" (1978), bietet aber einen angemessenen, in diesem Fall reichlich eklektizistisch ausgefallenen, stets aber durchaus ausgeklügelten Klangteppich für Sänger Mark Mothersbaugh, der sich wie stets atemlos hechelnd durch die hier eher schlichten Kompositionen jammert, heult und schreit.

Devo: Total Devo
CD, 1991, Play It Again Sam / SPV

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18. November 2003, Musik:

The Young Gods Play Kurt Weill

The Young Gods Play Kurt Weill"Es gibt nur gute Musik oder schlechte Musik", hat Kurt Weill einmal zu einem Interviewer gesagt. Allerdings war damals das Sampling noch nicht erfunden, jenes technische Verfahren, welches es erlaubt, aus guter Musik schlechte zu machen und aus schlechter gute. The Young Gods aus der Schweiz simulieren sampelnd eine Heavy-Metal-Band, obgleich das eingesetzte Verfahren, satten Gitarren-Breitseiten-Akkorden elektronisch den Nachhall zu cutten, vermutlich jedem Heavy-Metaller das Blut in den Adern gefrieren lassen würde. Aber The Young Gods haben ohnehin andere Zielgruppen (welche eigentlich?) und covern hier unbekümmert Brecht/Weill-Songs, Klassiker wie "Mackie Messer", "September Song", "Seeräuber-Jenny" und natürlich den "Alabama Song".

Kennen wir, das haben doch auch schon The Doors gemacht, ebenso wie David Bowie, Lou Reed und Bing Crosby, könnte man jetzt maulen. Doch wer erst einmal hört, wie The Young Gods den zähnebewehrten Haifisch in einer atonalen Krachorgie abfeiern oder uns mit dem schrägsten, kaputtesten Orgelsound den Weg zur nächsten Whisky-Bar zeigen, der wird den Epigonenvorwurf schnell zurücknehmen und sich einlassen auf eine durchweg spannende Weill-Interpretation, die als lexikalischer Eintrag für den Begriff Cross-over fungieren könnte. Weill hätte diese mit knapp 33 Minuten leider etwas kurz ausgefallene Auslegung seines Werks mit Sicherheit gefallen.

The Young Gods Play Kurt Weill
CD, 1991, Play It Again Sam / SPV

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17. November 2003, Musik:

Wire: The Drill

Wire: The DrillIn der Enzyklopädie der ganz wichtigen Punkbands gebührt Wire ein ganz besonderer Platz. Und tatsächlich war 1976 Punk die einzige Möglichkeit für Colin Newman (Gesang) und Graham Lewis (Bass), Musik zu machen, hatten sie doch so gut wie keine musikalische Erfahrung. Ihr erstes Album "Pink Flag" von 1977 zählt zu den interessantesten und wegweisendsten Platten der frühen Punk-Ära. Die Kürze der Songs (auf 40 Minuten brachten Wire 21 Stücke unter) verliehen dem Album einen fragmentarischen, experimentellen Charakter. Die Erklärung der Band indes war lakonisch: "When the text ran out, it stopped." Wire waren schnell, laut, aggressiv, minimalistisch.

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16. November 2003, Musik:

Jello Biafra & Mojo Nixon: Prairie Home Invasion

Jello Biafra & Mojo Nixon: Prairie Home InvasionDer Ex-Dead-Kennedys-Sänger auf den Spuren von Johnny Cash? Nun, ganz so schlimm ist es nicht, aber die Kooperation von Jello Biafra mit der Country-Legende Mojo Nixon plus zugehöriger Begleitband ist streckenweise schon harter Tobak, so innig fällt die Umarmung mit Lagerfeuer- und Fernfahrer-Soundtrack hier oft aus. Aber für Fans des Genres eröffnet sich ein spannender Ausflug in alle Schattierungen von new, bad, gospel und was nicht sonst noch für Country, wobei der drängende Pathos von Biafras kehligem Gesang, wie wir ihn davor noch aus den Sequenzer-Kakophonien von LARD in Erinnerung haben, sich wunderbar einfügt, manchen Stücken den Drive alter Gun-Club-Balladesken gibt.

Hin und wieder, wie etwa in der Single-Auskopplung "Will The Fetus Be Aborted" oder in "Plastic Jesus", schwingt sich der ganze Verein zu jener übermütigen Pogues-Fröhlichkeit auf, die je nach Betrachtungsweise schnell zu ermüden oder zu voreiligem Whisky-Konsum anzuregen weiß. Also nicht gerade die entscheidende Invasion aus Texas, eher Jello Biafras that years favour.

Jello Biafra & Mojo Nixon: Prairie Home Invasion
CD, 1994, Alternative Tentacles / EFA

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15. November 2003, Musik:

Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot: Werke

Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot: WerkeDie Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot stellt sich ausführlich vor. Und man muss sie einfach mögen, solch liebevoll aufgemachte CDs, die einen dazu verleiten, eine ganze CD-Kritik nur mit Booklet-Zitaten vollzuknallen; schon gerade, wenn besagte CD einen kompletten fiktiven Briefwechsel ominöser "Machthaber", geheimnisvoller "Kollegen" und der "Orchesterführung" beinhaltet, und umso mehr, wenn allein die Titel für einen kompletten Reviewtext ausreichen würden (etwa "Das Lied vom Berge Kumgang-San", frei nach Themen nordkoreanischer Revolutionsopern).

Doch wenn man dies alles, die Verwendung Weill'scher Songs (Kurkapelle: "Prima Komponist", aber sie sagen auch zu Leo Trotzki "Prima Trotzkist"), das ausführliche Personenverzeichnis aller direkt oder indirekt Beteiligten, Namen und Sitz des Labels (D.D.R., Lübeck) und die edle, dunkelblau-güldene Covergestaltung ausreichend gewürdigt hat – und schon das alles wäre Grund genug, die CD zu kaufen –, dann stellt man fest, dass auch die Musik ein aufs Angenehmste durcheinanderwirbelndes Potpourri darstellt, Blasmusik wie von einer zerfahrenen Feuerwehrkapelle, die man sich in einen alten Tati-Film reinzudenken hat. Oder auch sich synkopisch vorwärtstasten mit Sprechgesang, teilweise angefressen von verzerrten Gitarren, und was genialen Dilettanten eben sonst noch so in die Hände fällt. Diese "Werke" haben dabei etwas sympathisch Unfertiges, Fragiles an sich; ein Eindruck, der live durch die verbindende Moderation und eine mehr kabarettistische Darbietungsweise wieder aufgehoben wird.

Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot: Werke
CD, 1994, Plattenmeister - D.D.R.

"Bolschewistische Kurkapelle" bei eBay

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14. November 2003, Musik:

Sonya Hunter: Geography

Sonya Hunter: Geography"Geography" von Sonya Hunter lebt von einem Unterton der Traurigkeit, der, sacht und gleitend wie der länger werdende Schatten einer Sonnenuhr, wenn der Tag sich zum Abend neigt, die Stimmung der Songs prägt. Es scheint oft, als ob Frauen Traurigkeit glaubhafter künstlerisch umsetzen können, als Teil ihres Realitätssinns, vielleicht weil sie sich der Wirklichkeit von Geburt und Tod, Werden und Vergehen bewusster sind.

In "Geography" geht es ums Reisen, um den Zustand des Unterwegsseins. In wie flüchtig skizziert wirkenden Songs vorgetragene Impressionen des Mit- und Nebeneinanders verketten sich zu einem Reigen der Gefühle, in stiller Folk-Manier (fast nur) zur Wandergitarre vorgetragen. Emotives Hunting & Collecting. Schließlich wollen wir ja alle ins Wasser zurück. Uferlos.

Sonya Hunter: Geography
CD, 1993, Normal Records

"Sonya Hunter" bei eBay

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13. November 2003, Musik:

Heidi Berry

Heidi Berry: Heidi BerryDas vierte Album von Heidi Berry trägt keinen Namen, und was da so im Hintergrund geigt und gitarrt, sind natürlich so notorisch vergrübelte Typen wie Peter Astor von den Weather Prophets oder Jon Brookes von den Charlatans, die wahrscheinlich schon immer so eine Sängerin in ihrer Band haben wollten, die jenseits aller Pop-Diskurse einfach nur ihren folkloristisch-schlichten Pfad verfolgt, ein Schelm, wer Arges dabei denkt, und die zu allem Überdruss auch noch früher gemalt hat und behauptet: "I just did what I did very privatly."

"Warum bringt sie dann Platten herau...?" nein, halt, lassen wir diese kleinlichen Einwände beiseite, betrachten wir es einfach als weiteres Teilchen im Puzzle des eigenen Cocoonings, und wenn Berry 16-mal in einem Refrain "It's only love" singt, dann stimmt das ja auch irgendwie immer, denke ich, irgendwie, immer. Außerdem hat sie tatsächlich dieses geniale Timbre in der Stimme, welches Kraft aus Traurigkeit zieht, ohne zu trauern, welches Ruhe ausstrahlt, ohne einem schnöden Weltpessimismus zu huldigen, besonders auf der zweiten (LP-)Seite, auf der alles patchworkartig ineinander übergeht, verschmilzt. Das Ganze strahlt eine Verletzbarkeit aus, die mir suggeriert, dieses Album nicht besprechen, sondern beschützen zu müssen. Heidi Berry spielt übrigens Zither. Überrascht das jetzt jemanden?

Heidi Berry: (untitled)
CD, 1993, 4AD / Rough Trade

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12. November 2003, Musik:

Boxhamsters: Prinz Albert

Boxhamsters: Prinz AlbertDie wohlabgeschmeckte, sowohl Streetpunk- als auch Kritiker-kompatible, geradlinig-brachiale Gitarrenbreitseite: Wer sich für die Boxhamsters entscheidet, den erwarten filigranst ausgetüftelte Hardcore-Noise-Attacken, gepaart mit Texten, die, der Dichtkunst eines Peter Hein oder eines Harry Rag gleichzeitig verpflichtet und ebenbürtig, unbarmherzig Tagespolitikgeschehen mit Blicken durch die subjektive Brille zusammenrühren. Der Gesang ist zumeist dem jagenden Off-beat untergeordnet; zornig-atemlos shoutet sich Sänger Co durch seine Begrifflichkeit, während die restlichen Hamsters verschachtelte Akkord- und Noise-Gebirge aufbauen und wieder einreißen.

Die Boxhamsters hatten schon immer das Image der sympathischen Verlierer, der "Kinder aus Bullerbü", die ihre Flausen kultivieren und sich immer wundern, dass nie etwas klappt. Und bei abgebremstem Tempo kommt dabei auch schon einmal die wunderschön abgeklärte Looser-Variante einer Liebeserklärung heraus: "Ich weiß, Du wirst mich niemals lieben, ist auch eigentlich egal, trotzdem denke ich jetzt an Dich." The Wedding Present auf deutsch, eben. Ein "Lauter, schneller, härter"-Contest mit adäquater Abdeckung des Gefühlsspektrums zwischen zornig, ironisch, nachdenklich und traurig.

Boxhamsters: Prinz Albert
CD, 1993, Bad Moon Community / IRS

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11. November 2003, Musik:

Chris Cacavas & Junkyard Love: Pale Blond Hell

Chris Cacavas & Junkyard Love: Pale Blond HellVielleicht schaffe ich es ja, diese Kritk zu schreiben, ohne einen direkten Neil-Young-Vergleich zu ziehen. Denn "Pale Blond Hell" hat das Zeug zum Klassiker, schlägt eine souveräne Brücke von aktueller Neo-Folk-Psychedelic hin zu den sich silbrig auftürmenden Gitarren etwa von Crazy Ho... äh, Green On Red. Genau von dieser Band kommt Chris Cacavas nämlich, spielte dort auf den ersten fünf Alben Keyboard, um erst recht spät - nach Jahren als ewiger Sideman - selbst zu Gitarre und Mikro zu greifen. Mit Erfolg. Auf diesem nun schon dritten Album seiner Band finden wir Songs von handbehauener Schönheit vor, Songs, wie sie nur ein manischer Traditionalist mit Hang zu ungebremster emotiver Selbstdarstellung so brillant in Szene setzen kann.

Dies ist so zutiefst amerikanisch wie Kerouacs "On The Road", dem akustisch gitarrisierten Singer/Songwritertum à la Crosby, Stills & Nash ebenso verpflichtet wie heiligen US-Country-Rock-Roots, nicht ohne hin und wieder heftigste Slide-Gewitter oder böse Feedbacks einzublenden (mit denen das Album am Schluss jäh wegdröhnt). Okay, waaaahnsinnig anachronistisch eigentlich das Ganze, aber die Virtuosität der Beteiligten lässt es nie peinlich nostalgisch schmecken, die alten Pfade werden kunstvoll neu bepflanzt, und Cacavas' wehmütiger Näselgesang bettet sich so adäquat in die elektrifiziert-elektrisierenden Gitarren ein, dass die schläfrigen "Unplugged"-Darbietungen zeitgenössischer Veteranen dagegen schnell vergessen sind.

Chris Cacavas & Junkyard Love: Pale Blond Hell
CD, 1994, Normal

"Chris Cacavas: Pale Blond Hell" bei eBay

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10. November 2003, Musik:

B12: Electro-Soma

B12: Electro-SomaEine Musik, die im Zimmer herumsteht, als hätte jemand vergessen, sie abzuholen und in die Disco zu tragen. B12 versuchen sich an der Quadratur des Kreises und machen "House für zu Hause", also sphärischen Techno, mit ganz weichem "ch", und während Michael Golding, der eine Bauch des Duos, noch das mangelnde Open-minded-Sein der DJs beklagt, die ums Verrecken ihre Platten einfach nicht spielen, schälen sich diese elektrisch-somatischen, sich selbst immer wieder neu aufwickelnden Sounds dezent in Wohnzimmer, die neben einem CD-Player zumindest Alujalousien und einen Deckenventilator als Ausstattungsminimalattribute vorzuweisen haben sollten.

Tranciger Techno also, die das eloquente Geplucker früher Tangerine-Dream-Werke mit harsch-neuzeitlichen Beats verbindet und einem garantiert jedwede Grütze aus dem Hirn jagt, besonders wenn laut und wenn man hört wenn man gerade schreibt Kritik weil dann auch noch alle Grammatik aus Sätze geht weg. Aber leise gedreht ist es ein Klangteppichboden mit durchaus anregenden Ornamenten.

B12: Electro-Soma
CD, 1993, WARP / Rough Trade

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9. November 2003, Musik:

Holger Czukay: Moving Pictures

Holger Czukay: Moving PicturesDer Mann mit dem Horn. Holger Czukay posiert auf seiner 93er CD mit allerlei Ikönchen und Symbölchen im Dürer-Look-a-like-Contest. Dieser Mann will einfach nicht hip sein, lässt seine Platten lieber wie große Käseräder reifen, um sie dann haargenau am Markt vorbei zu lancieren. Natürlich bringt er dabei wieder alte Freunde mit, Jaki Liebezeit etwa, oder Jah Wobble. Große Improvisationsexzesse oder Soundspielkram scheinen geCANcelt zu sein, Czukay begibt sich lieber auf die Spuren der Enos dieser Welt und macht Musik für Menschen, die keine Musik hören möchten. Diese Musik hört man nämlich kaum, sie atmet zwar die gleiche manufakturierte Perfektion (no sequenzer!) wie die Steininseln eines buddhistischen Zen-Gartens, aber der Zen-Garten ist weniger beredt, eindeutig.

Worte wie "Cyberspace" fliegen einem entgegen wie die geflügelten Toaster des Bildschirmschoners, und in den mehr als 20 Minuten von "Rhythms Of A Secret Life" scheint alles irgendwie zum Stillstand kommen zu wollen, die tröpfelnden Gitarren genauso wie das immer wieder den Weg um die nächste Ecke weisende Schlagzeug. Es ist vierzig Grad in Nevada, und Czukay setzt ganz auf das floating seiner Töne ins Unbewusste. "Radio In An Hourglass" heißt ein anderer, kürzerer Titel: in ein atmosphärisches Grundrauschen eingezwängte Orient-Sounds, die nach Beachtung betteln. Aber, wie gesagt, so richtig hören tut man diese Platte ohnehin nicht. Man spürt sie. Traue keinen großen weisen Männern, die Dir was von Galaxien erzählen. Aber respektiere sie!

Holger Czukay: Moving Pictures
CD, 1993, SPV-Records

"Holger Czukay: Moving Pictures" bei eBay

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7. November 2003, Internes:

Eurorechner für Windows

Ja, ich habe sogar schon einmal (in Delphi) programmiert, und zwar 2001 zum Anlass der Euro-Umstellung einen Eurorechner, mit dem man, der Name lässt es schon vermuten, D-Mark in Euro und Euro in D-Mark umrechnen kann. Das Ganze war eine Gefälligkeitsarbeit fürs automarken.net, heute automarken.info, so dass als Icon – nicht ganz passend – auch ein kleines rotes Auto dient.

eurorechner.jpg
Übersichtlicher und klarer Programmaufbau: mein Eurorechner.

Damit das gute Stück nicht verloren geht, sei es hier im Echolog gespeichert, und wer dafür Verwendung hat, darf sich das kleine Windows-Programm gerne als Euro.exe (386 KB) oder Euro.zip (204 KB) herunterladen.

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6. November 2003, Musik:

Unrest: Perfect Teeth

Unrest: Perfect TeethKunst-Anspruch, Puristen-Anspruch: Unrest widmeten schon einmal eine EP der Künstlerin Isabel Bishop, und das Cover ihres Albums "Perfect Teeth" ziert eine Robert-Mapplethorpe-Fotografie von Cath Carroll. Das Trio verweist darauf, dass nur "Silvertone Brand"-Gitarrenverstärker und keine Synthies oder Verzerrer zum Einsatz gekommen sind, da sie "nur das Beste wollen".

Aber genau wie sich das vermeintliche chemische Element auf der Cover-Rückseite bei genauerem Hinsehen als von unten fotografierte Lampe entpuppt, kippt auch die strukturale Glätte der Songs, deren glasklar gespielte Riffs manchmal an die gewollte Monotonie früherer Cure-Alben gemahnen, immer wieder um in ein eruptiv-schnoddriges Verständnis von Pop: Dann schrammeln sie einfach drauflos. Wie bei allen guten Sophisticated-Pop-Bands gibt es den Mann-Frau-Wechsel im Gesang, und ab und zu lassen sie alles nur noch in einer Spacemen-3-mäßigen Kiff-Lethargie versacken. Insgesamt ein gekonnter und oft berührender Beitrag zur Rehabitilation und Adaption alter Wave-Strukturen in der Grunge-Epoche.

Unrest: Perfect Teeth
CD, 1993, 4AD / Rough Trade

"Unrest: Perfect Teeth" bei eBay

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5. November 2003, Musik:

The Times: Alternative Commercial Crossover

The Times: Alternative Commercial CrossoverDie Zeiten ändern sich, wahrhaftig! Jahrelang lieferte die aufnehmfreudige Truppe um Ed Ball 60er-Brit-Pop-Fake-Kleinode ab wie "Go! With The Times", "Pop Goes Art" oder "This Is London", um dann mit wehenden Fahnen zu einem intelligent pophistorisches Wissen verquirlenden Fake-Rave zu wechseln.

Das neue Album bietet von allem etwas und von nix wat Janzes, ein Sammelsurium, was durchaus panoptisch becircende Qualitäten hat. Uns begegnet etwa das "Sweetest Girl" von Scritti Politti's "Songs To Remember" in einem "Baby Girl" betitelten Ragga-Dub wieder, und die "Ballad of Georgie Best" beglückt (?) mit einlullendem Beatles-Choralgesang. Dann wieder, nach Primal Scream- bzw. Army Of Lovers-Strickmuster, endlos schallernde Gospel-Chöre ("Sooorry, I'm so sooooorry, please forgive me for what I've done"), oder auch aberwitzige Banjo-Attacken. Das gibt es alles, das geht alles, und das können wir auch alles, scheinen uns The Times zurufen zu wollen, was wiederum very british ist.

The Times: Alternative Commercial Crossover
CD, 1993, Creation Records / Sony Music

"The Times: Alternative Commercial Crossover" bei eBay

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4. November 2003, Musik:

Heather Nova: Blow

Heather Nova: BlowHeather Nova stellt sich mutig allen Credibility-Fallen, präsentiert sich selbst als introvertiertes Hippie-Mädchen, welches, wenn es nicht gerade wie auf der vorliegenden CD den Mean Fiddler Club in London hypnotisiert, teetrinkend und gitarrezupfend vor sich hin home-recorded. Das zeugt von einer gewissen sophisticated Behaglichkeit und der Fähigkeit, Leben und Leiden mit Würde sowohl ertragen als auch artikulieren zu können, ohne gleich vollends ins Rimbaud'sche Genialitätsloch zu fahren.

Die Live-CD liefert davon, sicher nichts für Freunde artifizieller Konzept-Pop-Finesse, einen Cut ganz ohne sinnverdächtige Zusammenhänge, einfach nur eine Hörprobe neun neunmalguter Songs: "Blow" ist hart, oftmals jäh und ultradirekt, packt mit stimmlicher Intensität und bis in den molekularen Bereich verdichteter Atmosphäre voll zu.

Heather Nova: Blow
CD, 1993, Homestead

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3. November 2003, Musik:

Tara Key: Bourbon County

Tara Key: Bourbon CountySchnörkellose, puristische Ware, auf die bourgoise Formalisten neben das Etikett "Gitarren-Rock" auch gleich noch das Label "Frauen-Rock" kleben würden: Die trostlos selbstbefreite Frau an der Gitarre (die dann ihr Lover-Glück doch nicht/gerade deswegen nicht findet). Von Janis Joplin über Patti Smith bis hin zu Epigoninnen wie den 4 Non Blondes lässt sich dieses nicht nur in Männerköpfen spukende Klischee in zart variierten Schattierungen verfolgen; Ausweg scheint oft nur die Flucht in eine elfenhafte Geschlechtslosigkeit à la Kate Bush zu sein.

Tara Key, USA, Gitarristin in wechselnden Bandkonfigurationen, umsteuert solcherlei Kategorisierungsversuche mit silbriger Gitarrenvirtuosität und einem zeitlosen, im positiven Sinne mainstreamigen Pop. Dabei dümpelt sie aber trotz aller klassizistischen Konsequenz zu oft nur in folkloristischer Beliebigkeit, überzeugt aber lediglich in den längeren Instrumentalpassagen, wenn sich die Gitarren gegenseitig hetzen und umschmeicheln: Dann gewinnt das Spiel der zahlreichen beteiligten Musiker eine Art von monumentaler Würde, die einen mit kurzer Faszination aufhorchen lässt.

Tara Key: Bourbon County
CD, 1993, Homestead

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Posted by Julian von Heyl in Musik at 01:46 | Permalink | Kommentare (0)

2. November 2003, Musik:

Alexander Hacke: Filmarbeiten

Alexander Hacke: FilmarbeitenAlexander Hacke, obgleich im Einzelfall ähnlich sperrig wie Einheit, dokumentiert sein Œuvre mittels "Filmarbeiten" insgesamt zugänglicher. Es handelt sich um kleinere Miniaturen, die den Hörer gleichzeitig verbind- und befremdlich umgarnen.

Meditativer Muzak gesellt sich zu seltsamen Schleifen, Verhaltenes wird mittels harscher Gitarren durchbrochen und verharrt wieder, während die formale Strenge des Ganzen der einzige Faden ist, der alles zusammenhält. Lärm und Avantgarde treffen auf Theater, Film und große Kunst: Nicht von ungefähr ist die EGO-Reihe im Design den bekannten RECLAM-Bändchen nachempfunden.

Alexander Hacke: Filmarbeiten
CD, 1993, Our Choice, Rough Trade

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Posted by Julian von Heyl in Musik at 01:35 | Permalink | Kommentare (0)

1. November 2003, Musik:

FM Einheit: Prometheus - Lear

FM Einheit: Prometheus - LearWie dissonant hätten Sie es denn gerne? So ziemlich neben allen Harmonielehren liegend geht das 93er Solo-Werk von FM Einheit zur Sache; über Raunen, Schaben und verhaltenem Gelärme ("Intro") nähert man sich sample-intensiv den einzelnen Bühnengestalten und Episoden der gleichnamigen Inszenierungen von Heiner Müller und Edward Bond. Gar schaurig etwa das Geklapper und Sirenengeheul um "Hephaistos", schräg "Der Chor" mit seiner Legendary-Pink-Dots-Orgel und den Marlene-Dietrich(?)-Samples, anrührend die "Hosanna"-Chöre bei Lear und schon allein vom Titel gut das letzte Stück ("Schweine zerreißen"). Zwischendurch musiziert es auch mal, quasi zur Entspannung, einfach klassisch vor sich hin.

Ach ja, zur Gedächtnisauffrischung: "Prometheus" knetet Menschen aus Lehm, entführt Zeus das Feuer, fliegt aus dem Hades raus und wird an einen Felsen geschmiedet, wo ein Adler seine immer nachwachsende Leber frißt, während der Shakespear'sche König "Lear" reichlich viel Ärger mit seinen Töchtern hat, sich lange im Wald herumtreibt und am Schluss erschossen wird, wobei alle heftige Gefühle fühlen müssen.

FM Einheit: Prometheus - Lear
CD, 1993, FM 451 Indigo

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